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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2017
Die zerrissene Gesellschaft
Was tun gegen den Rechtspopulismus?
Der Inhalt:

Reformation am Rande: Das Martyrium des »Bremer Reformators«

von Christian Modehn vom 28.04.2017
Luthers Theologie führte zu einer Verfolgung des Augustinerordens, vor allem in den Niederlanden. Mutige Vorkämpfer wie Hendrik van Zutphen bezahlten dies mit ihrem Leben

In den Niederlanden hatten sich die Lehren Martin Luthers schon 1518 herumgesprochen. Seine Schriften wurden 1519 in Antwerpen und Leiden veröffentlicht. Im gleichen Jahr befahl Kaiser Karl V., »alle lutherischen Bücher in den Niederlanden zu verbrennen«. Es waren vor allem Augustiner, die sich nicht einschüchtern ließen und sehr früh, von ihrem Mitbruder in Wittenberg inspiriert, mit der Reform kirchlichen Lebens begannen. Ein Zentrum war das Kloster in Dordrecht mit seinem Prior Hendrik van Zutphen, der den Ordensnamen Pater Johannes hatte. 1489 in Zutphen geboren, wurde er schon 1516 Leiter des Klosters. Der katholischen Stadtverwaltung missfielen seine »evangelischen« Predigten; sie vertrieb ihn und vier weitere Mönche. Sie fanden 1519 Zuflucht in Antwerpen: Aber selbst dort, der eher liberalen Stadt, wurden große Gruppen reformgesinnter Augustiner verhaftet. Hendrik van Zutphen konnte nach Wittenberg fliehen. Dort hatte er von 1508 bis 1512 studiert und Luther kennengelernt.

Hendrik erlebte nun, wie sich Luther der päpstlichen Androhung des Bannes widersetzte und das päpstliche Schreiben, die »Bulle«, öffentlich verbrannte: So kam es zum definitiven Bruch mit Rom. Hendrik vertiefte in dieser turbulenten Zeit vor allem die Theologie des Römerbriefes. In »73 Thesen« entwickelte er 1521 seine eigene Theologie: Er wandte sich etwa gegen die »stille Privatmesse«, die man für Geld zum Heil der Seelen bestellen konnte. Für ihn galt: »Die Eucharistiefeier kann niemals als ein neues unblutiges Opfer Christi verstanden werden. Die Messe ist vielmehr eine zeichenhafte Mahlzeit von Glaube und Liebe.«

Luther müssen diese Thesen gefallen haben: Er ließ Hendrik von der Wartburg aus grüßen. Als Hendrik hörte, dass in den Niederlanden immer mehr Evangelische verfolgt werden, kehrte er zu ihrer Unterstützung nach Antwerpen zurück. Dort wurde er als Prediger vom Volk gefeiert: Aber die katholische Obrigkeit wollte keine religiöse Vielfalt dulden: Sie ließ die Augustiner verhaften. Hendrik wurde allerdings in höchster Not vom empörten Volk befreit. Seine Mitbrüder Johannes van Esschen und Hendrik Vos werden 1523 auf dem Scheiterhaufen in Brüssel verbrannt. Hendrik gelangte über Enkhuizen und seine Heimatstadt Zutphen nach Bremen: Dort traf er Bekannte aus Studienzeiten in Wittenberg. Seine Predigten in der St.-Ansgarii-Kapelle fanden viel Zuspruch, sogar die Zustimmung des Stadtrates, provozierten aber

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