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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2017
Die zerrissene Gesellschaft
Was tun gegen den Rechtspopulismus?
Der Inhalt:

Sozialprotokoll: »Ich werde verachtet«

von Anke Lübbert vom 28.04.2017
Anja Walther (46) hatte in Großbritannien ihre Heimat gefunden. Seit dem Brexit-Entscheid will sie weg

Seit 2003 lebe ich in Großbritannien. Doch begonnen hatte alles schon eher. Wegen der großen Liebe. Während eines Erasmus-Jahres Ende der 1990er-Jahre an einer britischen Uni hatte ich meinen Mann kennengelernt. Ich bin dann erst mal wieder zurück nach Deutschland gegangen, habe nach meinem Abschluss einen befristeten Job angenommen. Als der Vertrag auslief, bin ich – ohne groß darüber nachzudenken – meinem Mann nach Großbritannien gefolgt. Das Land war für mich immer ein Zuhause. Doch seit dem EU-Referendum hat sich das verändert. Schon vorher war deutlich zu spüren, dass wir »EU-Migrants«, wie wir hier genannt werden, als Sündenböcke für die Sparpolitik der Regierung herhalten mussten. Alles, was schlecht ist, so denken seit Langem viele, kommt aus der EU. Dabei hatten sich die Probleme verschärft, weil die Cameron-Regierung seit Langem ihre Sozialpolitik vernachlässigt, nicht mehr in Kindergärten, Schulen, Gesundheitspolitik investiert hatte. Schon vor dem Referendum war zu spüren, dass sich viele Briten nicht wirklich als Europäer verstehen.

Aber seit dem Referendum fühle ich mich hier tatsächlich diskriminiert. Wie unser rechtlicher Status ist, wenn der Austritt vollzogen ist, weiß keiner so recht. Es gibt viele Befürchtungen und Ängste. Ich fürchte konkret um meine Arbeitserlaubnis. Ausländer, die nicht aus der EU kommen, müssen zurzeit über 35 000 Pfund im Jahr verdienen, um eine Arbeitserlaubnis zu bekommen. In meinem Job – ich arbeite im Bildungsbereich – wäre das illusorisch.

Man legt uns gerade nahe, eine sogenannte »Permanent Residency«, eine dauerhafte Aufenthaltsbewilligung, zu beantragen. Dabei ist problematisch, dass dreißig Prozent der Anträge abgelehnt werden. Vor allem Nichterwerbstätige oder Studierende haben schlechte Karten. Bei der Ablehnung wird oft der Krankenversicherungsstatus herangezogen. Es hieß hier immer, dass jeder, auch Ausländer, die nicht erwerbstätig waren, medizinisch abgesichert sei. Und so wurde das auch jahrzehntelang gehandhabt. Egal mit welchem Status, man konnte sich ärztlich behandeln lassen. Formal hätte man eine private Krankenversicherung gebraucht. Nun wird es so dargestellt, als ob sich alle diese Menschen medizinische Leistungen erschlichen hätten. Das ist sogar oft auch ein Vorwand, die Aufenthaltsgenehmigung abzulehnen. Zum Glück bin ich davon nicht betroffen. Mein Problem könnte allerdings werden, dass ich oft beruflich und privat ger

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