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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2017
Die zerrissene Gesellschaft
Was tun gegen den Rechtspopulismus?
Der Inhalt:

Die Angst vor dem Veggie-Day

von Wolfgang Kessler vom 28.04.2017
Die Krise der Grünen ist mehr als die Krise einer Partei: Sie zeigt, wie schwer sich Menschen mit Veränderungen tun

Das waren noch Zeiten. Vor einem Jahr lagen die Bündnisgrünen in bundesweiten Umfragen bei 14 Prozent. Inzwischen sind sie in Mecklenburg-Vorpommern und dem Saarland aus dem Landtag geflogen, am 14. Mai bei den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen wird es wohl knapp – bundesweit liegen sie bei sieben Prozent. Schon reiben sich konservative Beobachter die Hände wegen der Krise der »Ökos«. Dabei ist Schadenfreude nicht angebracht: Denn die Krise der Grünen zeigt auch, wie schwer sich viele Menschen mit der ökologischen Frage tun.

Klar: Wer kann bestreiten, dass es sich die Bündnis-Grünen seit den grandiosen Wahlsiegen von Winfried Kretschmann in Baden-Württemberg bequem gemacht haben? Längst sind Persönlichkeiten wie Claudia Roth, die ein Stück der ursprünglichen rebellischen Exzentrik der Partei versprühen, an den Rand gedrängt worden. Zwar gibt es in der Bundestagsfraktion nach wie vor profilierte Vertreter einer sozialökologischen Veränderung wie Anton Hofreiter oder den Finanz- und Wirtschaftskritiker Gerhard Schick. Doch insgesamt dominiert in der Partei eine pragmatische, schwarz-grüne Grundstimmung. Sie bringt im gut situierten, engagierten Bürgertum von Baden-Württemberg oder Hessen Stimmen. In Bundesländern, in denen die sozialen Gegensätze stärker sind, ist Schwarz-Grün jedoch wenig attraktiv.

Dennoch wählte die Mehrheit der bündnis-grünen Basis mit Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir wieder Altbekannte zu Spitzenkandidaten für den Wahlkampf – nach dem Motto der CDU der 1950er-Jahre: keine Experimente. Spätestens seit der Wahl von Martin Schulz zum SPD-Vorsitzenden wirken die Sozialdemokraten plötzlich innovativ und die Grünen eher langweilig.

Doch die Krise der Bündnisgrünen zeigt auch ein gesellschaftliches Problem: Ihr Hauptthema, die Ökologie, hat für viele Bürger stark an Bedeutung verloren. »Das Thema Umwelt ist nicht gerade der heißeste Mist der Republik«, sagt Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt. Dass die Grünen dennoch Ökologie zu ihrem zentralen Wahlkampfthema für die Bundestagswahl am 24. September erklärt haben, ist sachlich gerechtfertigt – aber sehr riskant.

Richtig ist es, weil sich die globalen Folgen von Erdüberhitzung und Umweltzerstörung immer deutlicher zeigen: Die Polkappen schmelzen schneller; in vielen Regionen der Welt herrschen Dürren; Wirbelstürme und Waldbrände werden häufiger und heftiger. Regenwä

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