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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2017
Die zerrissene Gesellschaft
Was tun gegen den Rechtspopulismus?
Der Inhalt:

Ethik des Antiterrors

von Norbert Copray vom 28.04.2017
Buch des Monats: Wie man mit christlichen Werten der Freiheit dienen kann

Katharina Klöcker
Freiheit im Fadenkreuz
Terrorbekämpfung als christlich-ethische Herausforderung. Herder. 196 Seiten. 19,99 €

Nur wenige trauen sich, Terrorismus und »Terrorbekämpfung als christlich-ethische Herausforderung« zu begreifen. Katharina Klöcker, Juniorprofessorin für Theologische Ethik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Bochum, traut sich das. Auf der Höhe der Zeit und auch der Wissenschaft – so, dass das Buch auch für fachfremde Leser gut lesbar bleibt. Denn sie legt dazu ein durchdachtes, sehr gut strukturiertes und inhaltlich ergiebiges Buch vor, in dem sie vor allem unsere »Freiheit im Fadenkreuz« sieht.

Eingangs klärt sie sorgfältig das Verhältnis der Ethik zu Politik, Handeln und Glauben, um dann darzustellen, wie wir als Einzelne, als Gesellschaft, als Repräsentanz »westlicher« beziehungsweise christlicher Werte ins »Fadenkreis des Terrors« geraten.

Entscheidend ist zu sehen, wie der Terror darauf abzielt, Angst zu erzeugen, die dann in der Terror- und Angstabwehr wiederum politisiert und zum Instrument wird, sich durch Gegenmaßnahmen – Folter, Drohnenangriffe, Islamverachtung – den Terroristen anzugleichen. Damit geht das »Kalkül der Täter« auf, stellt Klöcker fest. Unter Generalverdacht gestellte, ausgegrenzte Muslime und Flüchtlinge, die Spaltung demokratischer Kräfte, die Radikalisierung von Parteien und Gruppen: All das setzt das Werk des Terrorismus fort. Die demokratischen Gesellschaften beginnen, ihre eigenen Werte im Reden und Handeln zu missachten und sich so selbst zu zerstören.

Klöcker streut immer wieder akademisch-methodische Bemerkungen ein, die ihrer Absicherung im Hochschulbetrieb geschuldet sind, aber nicht wirklich stören. Sie untersucht die »Denkfiguren des Antiterrorkampfes« und dazu die gegenwärtige »Moral der Terrorbekämpfung«. Auf diese Weise kann sie überzeugend die Konzepte vom »kleineren Übel«, von der »Sicherheit vor Freiheit« und von der »Vorsorge um jeden Preis« als kontraproduktiv entlarven und verwerfen, ohne dabei das Kind mit dem Bade auszuschütten.

Überhaupt wägt Klöcker stets sehr sorgfältig ab. Phrasen und Gemeinplätze sind hier nicht anzutreffen. Die christliche Ethik bringt sie hervorragend ein, indem sie auf die kritische Selbstreflexion mit drei besonderen

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