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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2015
Mitten unter uns
Sklaverei ist längst nicht ausgestorben
Der Inhalt:

Krieg oder Frieden?

von Thomas Seiterich vom 24.04.2015
Massiv in Gefahr: Das gute Miteinander von Muslimen und Christen in Afrika

Sterben die guten Traditionen? Endet der Frieden? Jahrzehntelang seit der Unabhängigkeit in den 1960er-Jahren lebten im Afrika südlich der Sahara viele Millionen Muslime und Christen relativ friedlich miteinander – außer im Sudan, wo ein sich weiß dünkender Islam arabischer Prägung mit schwarzen, zumeist christlichen Völkern im Südsudan im Konflikt lag.

Geht Afrikas Epoche des relativen Religionsfriedens zu Ende? Die von islamistischen Terroristen verübten Attentate gegen Christen wie Ende 2010/Anfang 2011 an den hohen Feiertagen der Kopten in Ägypten oder nun vor Ostern in Kenia sowie die Verschleppung Hunderter junger Christinnen in Nordnigeria – sie wirken wie grelle, brutale Warnzeichen. Sie zielen darauf, die Gesellschaft auseinanderzubrechen. Denn kaum etwas mobilisiert die zumeist frommen Menschen auf dem Kontinent, der von Religion geradezu birst, mehr, als wenn Konflikte religiös aufgeladen werden.

Der Islam im subsaharischen Afrika ist weniger eine Religion der Macht als eine Religion des Kontaktes. Er kam historisch relativ spät. Nicht auf den Schilden expansiver Heere, sondern als ein Glaube im Gepäck von Händlern und Karawanen. Die Kaufleute brauchten Toleranz und Gespräch. Ihre Kultur lebte stets mit Fremden und Andersgläubigen. Das färbte auf den Islam ab. Und so unterscheidet sich der afrikanische Islam von dem Islam der Dominanz, wie er in der arabischen Welt anzutreffen ist. Afrikas Kirchen und Moscheen stehen häufig in Nachbarschaft. Je nach Region ist mal ist der eine, mal der andere stärker. Diese Nähe hat große interreligiöse Ökumeniker hervorgebracht, Personen wie die Friedensnobelpreisträger Kofi Annan, Nelson Mandela, Desmond Tutu oder Tansanias Gründer Julius Nyerere, der in Rom seliggesprochen werden soll. Ausgerechnet ein vatikanischer Hardliner, Glaubenspräfekt Kardinal Gerhard Ludwig Müller, hat den muslimischen Präsidenten des Senegal, Mackie Sall, soeben wegen seiner Großherzigkeit gegenüber den Christen öffentlich gewürdigt.

Hoffnung und Gefahr halten sich noch die Waage: Entschieden stellen sich Afrikas Zivilgesellschaften dem religiösen Hass entgegen. Allein, die wirtschaftliche Misere unzähliger Afrikaner, vor allem jobloser junger Männer, muss überwunden werden, damit der Religionsfriede stabil bleibt. Doch der islamistische Terror wächst, seit Jahren. Er zielt – wie in Nigeria oder Kenia – nicht auf die geschützten Eli

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