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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2015
Mitten unter uns
Sklaverei ist längst nicht ausgestorben
Der Inhalt:

Religion ist die Sollbruchstelle

von Bettina Rühl vom 24.04.2015
Kenia nach dem Massaker an der Universität Garissa: Al-Shabaab-Milizen sortierten148 junge Christen aus der Menge der Studierenden aus, um sie zu töten. Christen und Muslime halten dennoch am Religionsfrieden fest

Wer sich etwas Mühe gibt, findet im Internet Fotos der toten, zumeist christlichen Studenten, die Islamisten der aus dem benachbarten Somalia stemmenden Al-Shabaab-Miliz am 2. April in der Stadt Garissa im Nordosten Kenias ermordeten. Die Leichen der jungen Menschen liegen in Reihen, manche so verrenkt, als hätten sie noch gegen den Tod zu kämpfen versucht. Neben einigen sind große, dunkle Flecken zu sehen, das muss ihr Blut sein. Der Anschlag auf die Universität von Garissa ist das blutigste Attentat in Kenia seit über 15 Jahren. 148 Menschen starben, die meisten Studierende.

Nach dem Anschlag erklärte Kenias Vize-Präsident William Ruto, Kenia werde sich nach Garissa so massiv verändern wie die USA nach den Anschlägen vom 11. September 2001. »Wir müssen dieses Land sichern, was auch immer es kostet.«

Angesichts dieser Töne sind die Kenianer zutiefst beunruhigt, und zwar Muslime wie Christen. Denn trotz mehrerer Terroranschläge der letzten Jahre leben Christen und Muslime noch immer problemlos zusammen. Nach dem Attentat von Garissa äußerte sich als Erster der Erzbischof von Nairobi, John Njue: Die Christen sollten das Massaker an der Universität »nicht durch die religiöse Brille« betrachten. Weiter betonte der Kardinal: »Wir dürfen nicht wegen einiger weniger den Eindruck vermitteln, dass dies ein Krieg zwischen Christen und Muslimen ist.« Er forderte zugleich ein stärkeres Vorgehen gegen die Korruption. Denn die Politiker hätten aus Gier das Wohl des Landes vernachlässigt.

In den Tagen nach der Tat wurde in den Kirchen landesweit für Frieden und Sicherheit gebetet. Die Ostergottesdienste waren trotz der Angst vor Attacken sehr gut besucht. Ähnlich reagierten die Christen nach allen Attentaten der letzten Jahre: Sie werden nicht müde zu betonen, dass Terrorismus und Islam nicht gleichzusetzen sind. Mit den Vertretern der muslimischen Minderheit – nur etwa zehn Prozent der Kenianer bekennen sich zum Islam – arbeiten die Kirchen seit Jahren gut zusammen. Auch nach dem Anschlag von Garissa.

Wie schon so häufig, äußerte sich der Oberste Rat der kenianischen Muslime (Supkem) auch jetzt wieder im selben Geiste wie der Kardinal von Nairobi: Die Kenianer müssten vereint bleiben, forderte der Supkem-Vorsitzende von Garissa, Abdullahi Salat. Er sagte der Regierung

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