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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2015
Mitten unter uns
Sklaverei ist längst nicht ausgestorben
Der Inhalt:

Amerikas neue Evangelikale

von Barbara Jentzsch vom 24.04.2015
Die charismatischen Freikirchen lösen allmählich ihre bedingungslose Gefolgschaft zu den Republikanern

Wie funktioniert ein Land, in dem mehr als tausend Religionsgemeinschaften leben? Das »erwählte Volk« der im protestantischen Evangelikalismus fest verwurzelten Amerikaner hat mit religiöser Vielfalt kein Problem. Im Kollektiv oder individuell, selbstbewusst und selbstverständlich zelebrieren Baptisten, Juden, Methodisten, Pfingstkirchler, Unitarier, Katholiken, Adventisten, Satanisten, Buddhisten, Muslime und andere Gläubige im friedlichen Nebeneinander ihre diversen Bekenntnisse. Die Verfassung garantiert ihnen die absolute Religionsfreiheit. »Die Nation mit der Seele einer Kirche«, wie der britische Philosoph H. K. Chesterton Amerika einmal genannt hat, ist ein überwiegend christliches Bollwerk, welches wiederum durchdrungen wird vom permanenten Strom inbrünstiger evangelikaler Erweckung und Erneuerung.

Gegenwärtig lassen sich zwei überlappende Ströme beobachten: der nachlassende Einfluss der jahrzehntelang dominanten Christlichen Rechten und die anhaltende charismatisch-evangelikale Welle, die auch den Pfingstkirchen in den USA zur Prominenz verholfen hat. »Amerikas Christen werden zu Charismatikern«, bilanziert die evangelikale Barna Research Group das Ergebnis einer 2008 erhobenen Umfrage. Demnach bekennen sich achtzig Millionen Amerikaner (36 Prozent) zu einer charismatischen oder einer Pfingstkirche. Unter den weißen Amerikanern hat die Hinwendung zu den in sich vielfältig verzweigten Pfingstkirchen (Pentecost Churches) eine gewisse Sättigung erreicht, doch in schwarzen und in Hispanic-Gemeinden verbreitet sich die Kirche explo sionsartig. Emotionale Sprache, Zeugnisse, individueller Gesang, Händeklatschen, Zungenrede und Geisttaufe prägen die enthusiastischen Gottesdienste. Die Randexistenz der Pfingstler auf dem flachen Land ist längst Geschichte. »Bald wird die Mehrheit nicht mehr weiß sein und in Städten leben«, prophezeit Samuel Rodrigues, Präsident der National Hispanic Leadership Conference.

Für den Zustrom in den Pfingst- und anderen charismatischen Kirchen sorgt neben der ungezügelten Freiheit in der Form ihrer Gottesdienste und dem »Priestertum für alle« auch ihr erfolgreiches soziales und missionarisches Engagement. Besonders auf diese Kirchen trifft zu, was der baptistische Religionswissenschaftler Harvey Cox in seinem Buch »The Future of Faith« (Die Zukunft

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