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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2015
Mitten unter uns
Sklaverei ist längst nicht ausgestorben
Der Inhalt:

Ein humanes Europa ist möglich

von Bettina Röder vom 24.04.2015
In der Flüchtlingshilfe sind viele Bürger der Politik weit voraus. Jetzt muss die nachholen, was sie versäumt hat

Die Boote sind voll. Hilflos, in bedrückender Enge treiben die Menschen auf ihnen im Mittelmeer. Das ist für Tausende das Grab. Allein in der letzten Woche verloren 1300 ihr Leben. Immerhin bleibt die Katastrophe nicht mehr im Dunkeln. Sie ist so himmelschreiend, dass sie inzwischen auch Politiker und Medien beherrscht.

Doch damit ist sie noch längst nicht entschärft. Jetzt ist eine neue Politik gefragt, doch die Regierungen tun sich schwer. Zwar fehlt es nicht an schnellen Antworten, was jetzt zu tun sei. Ebenso wenig an Betroffenheitsritualen. Als solches jedenfalls hat Karl Kopp, der Europareferent von Pro Asyl, den bei einem Krisentreffen in Luxemburg von den EU-Außen- und Innenministern schnell beschlossenen Zehn-Punkte-Plan kritisiert. Zu Recht. 5000 Menschen, denen jetzt von ihren Heimatländern aus der sichere Zugang nach Europa gewährt werden soll, sind ein Tropfen auf den heißen Stein. Für Triton, die Rettungsoperation vor der italienischen Küste, gilt das Gleiche. Die soll nun ausgeweitet werden. Um ein Drittel. Bislang gibt die EU dafür 35 Millionen Euro im Jahr. Zwei Drittel weniger als das, was für das eingestellte Rettungsprogramm Mare Nostrum ausgegeben wurde. Jener Aktion der italienischen Marine und Küstenwacht, durch die in einem Jahr 140 000 Menschen gerettet wurden. »Wir brauchen einen robusten See-Rettungsdienst«, sagt Karl Kopp. Ein Vielfaches von dem, was Mare Nostrum war.

Doch natürlich reicht das nicht. Wie von Pro Asyl und anderen Flüchtlingsorganisationen gefordert, muss es auch um einen sicheren Weg nach Europa gehen. Am besten auf dem Festland und nicht über das Mittelmeer. »Vielleicht«, sagt Grünhelm-Gründer Rupert Neudeck, »brauchen wir auch ein neues Kap Anamur.« Jenes Schiff, das einst 10 375 vietnamesischen Flüchtlingen das Leben rettete. Ein Vorbild für den Brandenburger Harald Höppner, der dieser Tage mit einer ähnlichen Aktion und vielen Unterstützern ins Mittelmeer sticht.

Spätestens hier wird deutlich: Viele engagieren sich bereits. Und es werden immer mehr. Auf sie wird es in Zukunft ankommen. Wenn sich etwas in der Flüchtlingspolitik ändern soll, wird es ohne den Druck von der Basis nicht gehen. Der muss wachsen. Jeder und jede kann etwas tun.

Wie jene deutschen Reedereien, die Tausende von Schiffbrüchigen g

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