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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2015
Mitten unter uns
Sklaverei ist längst nicht ausgestorben
Der Inhalt:

Sollen sich Depressive offenbaren?

von Barbara Tambour vom 24.04.2015
NachgefragtNach dem Flugzeugunglück: Fragen an den Psychologen Michael Krämer

Publik-Forum: Können Sie Depressiven noch empfehlen, sich mit ihrer Krankheit zu offenbaren?

Michael Krämer: Das empfehle ich unbedingt, sowohl gegenüber Personen ihres Vertrauens im persönlichen Umfeld als auch im therapeutischen Bereich. Wenn sich Depressive isolieren, fördert das den Krankheitsprozess.

In den letzten Jahren schien es mehr Verständnis für Menschen mit Depressionen zu geben – ist das seit dem schrecklichen Flugzeugabsturz anders?

Krämer: Ich hoffe, es handelt sich nur um eine vorübergehende Veränderung der öffentlichen Wahrnehmung zum Negativen. Klar, dass unmittelbar nach einer solchen Katastrophe über alle möglichen Konsequenzen nachgedacht wird. Nach einiger Zeit wird sich wieder die Tendenz durchsetzen, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen weniger Ablehnung erfahren.

Aktuell aber werden Depressive wieder stärker stigmatisiert?

Krämer: Die Unsicherheit im Umgang mit psychischen Erkrankungen ist nicht gänzlich verschwunden. Das führt gegenwärtig sogar dazu, dass Berufsverbote für Depressive gefordert werden. Damit werden Menschen tatsächlich stigmatisiert.

Aber Sie würden sicher auch nicht gerne in einem Flugzeug sitzen, wenn Sie wüssten, dass der Pilot psychisch erkrankt ist.

Krämer: Natürlich nicht. Aber man muss unterscheiden: Das eine ist es, eine psychische Erkrankung zu diagnostizieren und daraus für den Zeitraum der akuten Erkrankung abzuleiten, ob die Fahrtüchtigkeit eingeschränkt ist oder die Ausübung eines Risikoberufs vorübergehend nicht möglich ist. Das ist häufig der Fall. Aber wenn die Krankheit behandelt wurde und der Patient genesen ist, dann muss die Gesellschaft der Person ermöglichen, wieder ihren Beruf auszuüben. Deshalb: Einschränkungen im Fall akuter Krankheit, ja. Aber kein generelles Berufsverbot.

Was kann man tun, damit Menschen mit Depression Hilfe in Anspruch nehmen?

Krämer: Wir müssen die Schwelle zu den Hilfsangeboten niedriger machen, damit die Betroffenen nicht zu lange versuchen, sich selbst an den Haaren aus dem Sumpf zu ziehen. Wir brauchen mehr Offenheit, über psychische Krankheiten zu sprechen, und wir müssen deutlich machen, dass gute Hei

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