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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2013
Landraub
Der globale Kampf um Boden fordert Opfer
Der Inhalt:

»Das war meine Rettung«

von Constanze Bandowski vom 26.04.2013
Öffentliche Kritik in Mexiko ist lebensgefährlich: Das hat auch Ana Lilia Pérez erfahren. Jetzt hat sie für ein Jahr Zuflucht in Hamburg gefunden. Fragen an die mexikanische Journalistin

Frau Pérez, was war das für ein Gefühl, als Sie die Einladung der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte erhielten?

Ana Lilia Pérez: Das kann man nicht beschreiben. In Mexiko lebte ich ständig mit der Angst, umgebracht zu werden. Ich wusste nie, ob dies mein letzter Tag sein würde. Wenn du in einem Land, das zu den gefährlichsten Staaten der Welt gehört, Morddrohungen bekommst, weißt du nie, wann die Leute ihre Drohungen wahr machen. Ich konnte nicht mehr ohne Personenschutz und kugelsichere Weste aus dem Haus gehen – unter diesen Umständen war die Einladung meine Rettung! Es war, als ob mir jemand plötzlich die Hand reicht, um mich aus dem Sumpf zu ziehen.

Warum hat sich Ihre persönliche Situation in Mexiko so zugespitzt?

Pérez: Ich arbeite seit 16 Jahren als investigative Journalistin. Meine Themen drehten sich schon immer um Korruption innerhalb der Regierung. Ich habe für renommierte Zeitungen und Magazine geschrieben und mein erstes Buch »Blaue Hemden, schwarze Hände« von 2009 war ein großer politischer Erfolg. Darin gelang mir der Nachweis, dass die Regierung von Präsident Vicente Fox nicht die Korruption bekämpfte, wie er während des Wahlkampfes propagierte.

Ich dokumentierte, dass sowohl seine Kinder als auch seine Ehefrau von illegalen Geschäften des staatlichen Erdölunternehmens Pemex profitierten. Ich habe nachgewiesen, dass die politische Elite auch während der folgenden Regierung von Felipe Calderón in Korruptionsfälle verwickelt war. Daraufhin berief der mexikanische Kongress eine Kommission ein, um die Ergebnisse meiner Recherchen zu untersuchen. Danach begannen die Morddrohungen. Man versuchte mich zu bestechen, damit ich aufhöre zu arbeiten. Man versuchte auch, einen Haftbefehl gegen mich zu erwirken. Beides habe ich öffentlich bekannt gemacht. Es folgten anonyme Anrufe, die so aggressiv waren, dass ich Begleitschutz von Menschenrechtsorganisationen erhielt.

Warum haben Sie trotz der Morddrohungen immer weitergearbeitet?

Pérez:Mexiko ist das unsicherste Land für Journalisten. Deshalb haben viele Kollegen mit dem Schreiben aufgehört, oder sie zensieren sich selbst. Ich habe nie akzeptiert, mich möglichen Reaktionen auf meine Arbeit zu beugen. Der Preis für mein

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