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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2013
Landraub
Der globale Kampf um Boden fordert Opfer
Der Inhalt:

Schwarzer Rauch zwischen goldenen Pagoden

von Klemens Ludwig vom 26.04.2013
Nach dem Ende der Diktatur hoffen viele auf ein freies Myanmar. Doch in der Gewalt gegen Muslime lebt der alte Ungeist fort

War es wirklich falsches Gold oder eine beschädigte teure Haarspange, die ein muslimischer Händler in der Stadt Meikhita einem buddhistischen Ehepaar verkaufen wollte? Oder wollte ein buddhistischer Händler einen muslimischen Kunden betrügen? So genau lässt sich das gar nicht bestimmen, aber dieser Streit war in Myanmar, dem ehemaligen Burma, der jüngste Auslöser für brutale Übergriffe gegen die muslimische Minderheit. In dem mehrheitlich buddhistischen Land bedarf es nicht viel, und religiöse Spannungen münden in einer Eruption der Gewalt.

Mindestens vierzig Tote waren zu beklagen, zahlreiche Moscheen und Gebetshäuser wurden niedergebrannt. Das allmächtige Militär forderte zwar zur Ruhe auf, zeigte aber wenig Bereitschaft, den Muslimen wirklichen Schutz zu garantieren.

Das passt nicht zu dem weit verbreiteten Bild vom Buddhismus, der als besonders friedfertige Religion gilt. Noch verstörender ist, dass buddhistische Mönche den Konflikt sogar schüren. Einer ihrer Wortführer ist Saydaw Wirathu, der 2003 wegen antiislamischer Hetze inhaftiert worden war. Mit markigen Worten warnt er vor einer »Islamisierung Myanmars«, der die Regierung nicht entschieden genug entgegentrete. Eine organisatorische Plattform der Militanten ist die Bewegung 969, deren Bezeichnung an die buddhistische Zahlenmystik angelehnt ist. Zweifellos repräsentieren sie nur eine Minderheit innerhalb des Klerus, doch die Bewegung kann auf stillschweigende Sympathie hoffen.

Ist die Dominanz des Buddhismus, immerhin Staatsreligion, in dem südostasiatischen Land wirklich bedroht?

Keine Rechte – keine Perspektive

Offiziell stellen die Muslime etwa vier Prozent der 55 Millionen Einwohner, also gut zwei Millionen, doch von manchen wird die Angabe als zu niedrig angesehen. Unbestritten ist, dass sich die Muslime grob in zwei Gruppen einteilen lassen: zum einen konvertierte ethnische Birmanen, zum anderen die Minderheit der Rohingyas im nordwestlichen Bundesstaat Rakhine, früher Arakan. Der größte Teil der birmanischen Muslime gehört zu dieser Gruppe. Im ganzen Land gibt es etwa 2500 registrierte Moscheen, davon die Hälfte in Rakhine. Dort existieren auch zahlreiche Koranschulen. Bis zum Militärputsch von 1962 konnten birmanische Muslime auch in Kairo oder an anderen Orten islamischer Gelehrsamkeit studieren. Der national

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