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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2012
Angriff auf die Demokratie
Die Politik zur Rettung des Euro bedroht die Freiheit in Europa
Der Inhalt:

»Demut wäre unverantwortlich«

von Friedhelm Hengsbach SJ vom 04.05.2012
Was beim Katholikentag besprochen wird und worüber eigentlich gesprochen werden müsste. Ein Vorgeschmack auf die Rede zur Eröffnung des Alternativprogramms

Ein knallroter Rucksack für 25 Euro, prall gefüllt mit neuem Aufbruch, wirbt für den Mannheimer Katholikentag. Bischöfe und kooperierendes Zentralkomitee der deutschen Katholiken haben das Leitwort »Einen neuen Aufbruch wagen« vorgegeben. Sie wollen damit das schwarze Jahr der Aufdeckung sexueller und gewalttätiger Übergriffe kirchlicher Amtsträger und der Vertuschungsversuche höherer Amtsträger hinter sich bringen. Der Rucksack und der darin verpackte Aufbruch sollen eine lebhafte Resonanz unter den Katholiken auslösen. Doch ein Rucksack allein macht noch keinen Aufbruch. Wer wird, wer darf ihn schleppen? Und vor allem: in welche Richtung?

Themen im Nebel. Vier Themenbereiche sind vorgesehen: »Kirche«, »Gerechtigkeit«, »Leben« und »Verantwortung für das Gemeinwohl«. Den Themen ist jeweils das Zauberwort »Kultur« vorgeschaltet. Barocker und vernebelter können »Wege zu einer Kultur der Verantwortung für das Gemeinwohl« kaum formuliert werden.

Die Themenbereiche sind mit Warenkörben aus unterschiedlichen Kaufläden angefüllt. Der Titel »Gemeinwohl« muss auch für Opfer von Entführungen und sexuellem Missbrauch, den demografischen Wandel und Christen am Krankenbett herhalten. Beim »Leben« wird ein breites Panorama aufgespannt: Schöpfungstheologie, weltweiter Mangel und Überfluss an Nahrungsmitteln, sexuelle Gewalt in Kirche und Sport, Lebensanfang, Lebensende und häusliche Pflege.

Unter dem Kulturschirm werden Gerechtigkeitsfragen unversehens oder absichtlich marginal angeboten. Sie tauchen als religiöse Freiheitsrechte, europäische Solidarität, Wachstumskritik, Burnout-Syndrom, konkurrierende Bodennutzung für Nahrungsmittel und Biosprit sowie soziales Engagement jenseits des Sozialstaats auf. Die breite Zusammensetzung der Podien erinnert an die sattsam bekannten Talkrunden der Fernsehkanäle. Zudem gehört zum methodischen Profil der betont individualistische Ansatz: Der Einzelne soll es richten. Die Veranstalter leisten mit einer solchen strukturellen Blindheit der persönlichen Schuldzuweisung für Systemfehler Vorschub, die unzulässig ist.

Besondere Aufmerksamkeit gilt jenem Bereich, der Wege zu einer zukunftsfähigen Kirchenkultur thematisiert. Darin finden sich fast alle Anfragen des deutschen Kirchenvolks der letzten Jahre, die bisher von ohrenkranken Bi

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