Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2011
Heiliges Begehren<Br>Das Göttliche in der Sexualität
Der Inhalt:

Von Engeln und Steuertricks

von Ansgar Martins vom 06.05.2011
Mit »youcat« will die katholische Kirche ihre Lehre jungen Leuten näherbringen. Doch überzeugend ist das Ergebnis nicht

Ein gelber Einband, der ins Auge springt, bunte Bilder, am Rand hervorgehobene Zitate von Heiligen, Philosophinnen und Philosophen – das ist youcat, der erste Jugendkatechismus der katholischen Kirche. Im März erblickte er das Licht der Welt. Das Buch, ursprünglich Projekt eines deutschen Autorenteams, liegt bereits in fünfzehn Sprachen vor und ist in Deutschland in den ersten zwei Wochen gut 50 000-mal verkauft worden.

Vier Kapitel mit insgesamt 527 kurzen Fragen und übersichtlichen Antworten führen in die Grundlagen der katholisch-christlichen Glaubenslehre, aber auch in die kirchlich-rituelle und ethische Praxis ein. Eigens aufgeführte Begriffsdefinitionen sowie ein Stichwortverzeichnis verhelfen zu einer schnellen Orientierung.

In einem Vorwort ermuntert Papst Benedikt XVI. seine »lieben jungen Freunde«, »auf jede Weise« im Gespräch über den Glauben zu bleiben, und erteilt dem despektierlichen Gerede von der »Null-Bock-Generation« eine Absage: »Junge Menschen sind nicht so oberflächlich, wie man ihnen unterstellt. Sie wollen wissen, worum es im Leben wirklich geht.«

Mit diesem Jugendkatechismus macht die katholische Kirche einen entschiedenen Schritt auf Jugendliche unserer Tage zu, die sich mit tieferen Sinnfragen beschäftigen – so scheint es jedenfalls auf den ersten Blick. Denn eine eingehendere Lektüre lässt bald Zweifel aufkommen, ob das Gros der Zielgruppe sich mit den präsentierten Antworten auch nur annähernd identifizieren kann.

Wenn die Leserinnen und Leser beispielsweise erfahren, dass Engel »nicht sterblich und für gewöhnlich nicht sichtbar« seien, dass »die Jungfräulichkeit Marias keine überholte mythologische Vorstellung« und erst recht nicht symbolisch zu verstehen sei, oder wenn Homosexualität als »ein Mangel, ein Verlust und eine Verwundung« beschrieben wird, die trotzdem zum »Sprungbrett« in Gottes Arme werden könne, scheint der Graben zur pluralistischen Wertegesellschaft doch noch sehr tief zu sein.

Zwar ist es gewiss amüsant, auf die Frage: »Darf man Steuertricks anwenden?« zu lesen: »Findigkeit im Umgang mit komplexen Steuersystemen ist moralisch nicht zu beanstanden«, aber sind solche diplomatischen, jedoch vagen Alltagstipps jene Antworten, für die »der Mensch von heute« (s)eine Kirche braucht? Ich zumindest würde die Frage nach den Steuertricks so wenig an ei

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen