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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2010
Papstkirche am Abgrund
Ein Bischof sagt, was sich jetzt ändern muss
Der Inhalt:

Danken mit Gospel

von Monika Herrmann vom 23.04.2010
Die evangelische Berliner Jona-Gemeinde pflegt ein besonderes Verhältnis zu ihren treuen Kirchensteuerzahlern

Jedes Jahr, kurz vor Weihnachten, bekommen die Mitglieder der Berliner Jona-Gemeinde einen Brief. Unterschrieben von der Pfarrerin und dem Vorsitzenden des Gemeindekirchenrates (GKR). Kurz und knapp bedanken sich die beiden bei den Adressaten für ihre entrichtete Kirchensteuer und andere finanzielle Hilfen. Rund tausend solcher Briefe gehen an jene, die zur Kerngemeinde zählen, aber auch an alle, die nie oder nur ganz selten mal sichtbar sind in Jona. Verbunden mit dem Dankeschön ist die Einladung zu einem Konzert in der Kirche. Mal singt ein Gospelchor, mal gibt es klassische Musik.

»Wir verstehen die Einladung als Wertschätzung all derjenigen, die der Kirche treu bleiben, auch ohne regelmäßige Teilnahme an Gottesdiensten oder Veranstaltungen«, sagt Jürgen Wandel. Der Theologe und Journalist leitet den GKR. Er hatte die Idee des Dankens. Beim letzten Mal seien rund einhundert Menschen zum Konzert gekommen, erzählt er. Wandel nennt die Aktion »Kirchensteuerzahler-Dankfest«. Missionarische Hintergedanken hätten er und die anderen in der Jona-Gemeinde dabei nicht. Man wolle die »kirchlichen Randsiedler« auch nicht unbedingt zu einem Ehrenamt in der Gemeinde motivieren. »Wenn sich das aus der Einladung ergibt, umso besser.« Bisher hat es sich eher nicht ergeben. Die Dankeschön-Aktion kommt gut an im bürgerlich geprägten Charlottenburg. Hier halten sich die Kirchenaustritte im Vergleich zu anderen Berliner Stadtteilen in Grenzen. »Jeden Monat sind es ein oder zwei, die die Gemeinde verlassen.« Im Kiez leben gut situierte und viele ältere Menschen, die – auch wenn sie Kritik an ihr haben – ihrer evangelischen Kirche dennoch treu bleiben und Kirchensteuern zahlen. Dass sie dafür jetzt mal ein Dankeschön von der Gemeinde bekommen, freut sie.

Die evangelische Kirche in Berlin ist im Wortsinn arm dran. Grund: All die Mini-Jobber, Hartz-IV-Empfänger und Rentner zahlen keine Kirchensteuer. Mitgliederpflege wird immer wichtiger. Auch die evangelische Kirchenleitung in der Hauptstadt verschickte Anfang 2010 rund 370 000 Dankbriefe. »Heute bekommen Sie Post von Ihrer Kirche und die will gar nichts von Ihnen«, schrieb Generalsuperintendent Ralf Meister an all die unbekannten, nie gesehenen, an den Rändern lebenden Mitglieder der Kirche. Ob diese sich irgendwann mal ihre Gemeinde von innen ansehen und Fragen stellen: Was macht ihr da eigentlich mit meinem Geld?

Niemand weiß es.

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