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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2010
Papstkirche am Abgrund
Ein Bischof sagt, was sich jetzt ändern muss
Der Inhalt:

Alte Feindbilder sind out

von Gesine Wolfinger vom 23.04.2010
Südafrikas Kirchen halfen die Apartheid zu stürzen. Jetzt suchen sie eine neue Rolle in der Gesellschaft

Wilna de Beer macht sich Sorgen. Die Fußball-WM, so befürchtet sie, werde Kinderhandel und Prostitution verstärken. De Beer ist Sozialarbeiterin und Mitgründerin der kirchlichen Tswane Leadership-Stiftung in Pretoria. Sie beobachtet, dass in Pensionen und Frisörsalons in Südafrikas Hauptstadt illegale Bordelle eingerichtet werden. »Sie holen die Mädchen vom Land; manche dürfen sich frei bewegen, andere werden unter Drogen gefangen gehalten«, berichtet de Beer. Sie kennt die Schicksale von Frauen, die zur Prostitution gezwungen oder misshandelt werden, nur zu genau. Für sie betreibt die Stiftung zwei Frauenhäuser.

Knapp 400 Kilometer südlich trifft sich Graham Philpott in einem alten, heruntergekommenen Gebäude mit gut dreißig Frauen und Männern zu einer Gesprächsrunde. In einiger Entfernung sind Hütten und kleine Häuser zu erkennen: das Dorf Roosboom in der Provinz KwaZulu-Natal. Es ist einer der Einsatzorte des anglikanischen Theologen. Mit seiner Organisation Church Land Programme (CLP) bemüht Philpott sich um Rückgabe von Land und eine gerechte Landverteilung. Philpott beteiligt sich an einer enormen Aufgabe. Während der Apartheid gehörten 87 Prozent des Landes Weißen, während sich nur 13 Prozent in der Hand von Schwarzen befanden.

Mit der 1994 gestarteten Landreform sollen einst enteignete Gemeinschaften ihr Land zurückerhalten. Ferner sollen dreißig Prozent des Farmlandes bis 2014 Schwarze erhalten. Doch das läuft schleppend. Bislang sind es nur fünf Prozent. Bei der Rückgabe jedoch gibt es Fortschritte. Auch Gesprächsteilnehmer in Roosboom wurden Ende der 1970er-Jahre heimatvertrieben. Sie kehrten Mitte der 1990er-Jahre zurück. Allerdings, so erzählen sie, hätten sie außer ihrem Land keine Hilfe von Südafrikas Regierung erhalten. Zwar gebe es Strom, aber kein fließendes Wasser. Auch für den Bau einer Schule oder einer Kirche fehle das Geld. »Aber wir kämpfen für unsere Rechte«, sagt ein älterer Mann energisch. »Wir bauen unsere Schulen selbst.«

»Wir stehen den Menschen im Kampf um Gerechtigkeit und Würde bei«, erklärt Graham Philpott. Die Kirche spiele eine wichtige Rolle in Südafrika und trage deshalb große Verantwortung. Dies vertritt auch Phumzile Zondi-Mabizela, Vorstandsmitglied im CLP und Geschäftsführerin des Ökumenischen Christenrates von KwaZulu-Natal. Doch was an de

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