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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2019
Rebellion der Zukunft
Retten uns die Schüler?
Der Inhalt:

Mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein

von Wolfgang Kessler vom 05.04.2019
Sophie Schellens über ihr Engagement für die gewaltfreie Lösung von Konflikten auf der philippinischen Insel Mindanao

Publik-Forum: Frau Schellens, Sie sind für das Forum Ziviler Friedensdienst als Friedensarbeiterin auf Mindanao tätig. Mit welchen Konflikten sind Sie dort konfrontiert?

Sophie Schellens: Mit mehreren, die sich gegenseitig überlappen. Im Westen kämpft die muslimische Gemeinschaft für mehr Autonomie. Hier streiten die Muslime für ihre Identität in einem katholisch geprägten Land. Im Osten von Mindanao gibt es seit Jahrzehnten einen Konflikt zwischen der Regierung und einer kommunistisch orientierten Rebellenbewegung. Ursache dieses Konfliktes ist die riesige Kluft zwischen Reich und Arm. Und eine neoliberale Politik, die den Staat geschwächt und viele Bereiche privatisiert hat. Auch der Ausverkauf von Land und organisierte Kriminalität verschärfen die Konflikte.

Was ist Ihr Beitrag, um diese Konflikte zu entschärfen?

Schellens: Wir konzentrieren uns vor allem auf zwei Bereiche: Der eine ist die Friedenserziehung. Wir bilden Lehrerinnen und Lehrer darin aus, die Konflikte unter den Schülern unterschiedlicher Kultur und Herkunft friedlich zu lösen. Und auch den Schülern Techniken zu vermitteln, ihre Konflikte untereinander gewaltfrei beizulegen. Gleichzeitig drängen wir darauf, solche Mechanismen friedlicher Konfliktaustragung auch institutionell zu verankern, sodass sie praktisch zum Lehrplan gehören.

Wie kommt Ihr Engagement an Schulen an?

Schellens: Ich bin immer wieder überrascht, wie sehr meine Anregungen und meine Fragen auf offene Ohren stoßen, sowohl bei Lehrern als auch bei Schülern.

Und dies, obwohl Sie Ausländerin sind?

Schellens: Manchmal gerade deshalb. Viele sind doch beeindruckt, weil ich mich als Ausländerin aus einem reichen Land für sie und für ihr Land engagiere. Allerdings setzt dies voraus, dass ich mich im Hintergrund halte. Auf keinen Fall will ich die Frau aus dem reichen Westen spielen, die alles besser weiß. Unter dieser Bedingung kann mein Blick von außen durchaus dazu beitragen, dass das Bewusstsein dafür wächst, Konflikte in einer konfliktreichen Region friedlich zu lösen. Als Ausländerin kann ich unvoreingenommener auf die verschiedenen Kulturen auf den Philippinen, die unterschiedlichen politischen Interessen und deren Ziele eingehen, soda

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