Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2019
Rebellion der Zukunft
Retten uns die Schüler?
Der Inhalt:

Die Macht der Bilder

vom 05.04.2019
Leserdebatte zu unserer Berichterstattung über die Verknüpfung von Gewalt, Sex und Missbrauch in der Kirche (Publik-Forum-Ausgabe 5/2019 und Publik-Forum online)

Schläge und Beschämung

Zu: »Spuren der Gewalt« (Seite 26)

Schläge aufs nackte Gesäß sind eine unmenschliche Erziehungsmethode. Umso perverser, wenn man sich dafür auf die Bibel beruft. Natürlich hat die Entblößung des Gesäßes auch eine »sexuelle Konnotation«. Helmut Jaschke prangert dies zu Recht an. Aber meiner Meinung nach überstrapaziert er seine Belege aus den biblischen Prophetenbüchern. Dort wird das Volk Israel beziehungsweise die Stadt Jerusalem mit einer Braut verglichen, die vom »Bräutigam« Gott umworben, beschenkt und auf Händen getragen worden war. Nun aber besucht das Volk die Kultstätten anderer Götter, wo Tempelprostitution – »genossen« von Männern! – zum Ritual gehört. Seine Könige schmieden zweifelhafte Bündnisse. Die Propheten vergleichen dies mit Seitensprüngen der Braut und fordern Umkehr. Sonst droht die göttliche Strafe: Der »Bräutigam« wird seiner »Braut« die Kleider vom Leib reißen und sie nackt an den Pranger stellen …

Diese Verse sind in der Einheitsübersetzung als »Gleichnisrede« überschrieben: Die Braut wird zum Sinnbild der Stadt. Die Hörerschaft soll sich vorstellen, wie Jerusalem aussähe, wenn es eingenommen würde. Was die Propheten befürchteten, traf ein. Eines Tages aber wird – mit Gottes Hilfe – die Stadt wieder erstrahlen wie die Braut von einst. So verheißt es etwa Jesaja. Adrett angezogen sein: Das steht für eine schöne Stadt. Nackt – steht für die Stadt, die zur Ruine geworden ist. Ich bezweifle, dass die Hörerinnen und Leser in biblischen (und weniger prüden) Zeiten dadurch zu sexuellen Fantasien angeregt wurden. Ja, im Bild wird einer schuldigen, wehrlosen Frau Gewalt angetan. Aber gingen die Gedanken nicht vom Bild schnell hinüber zur Wirklichkeit der Stadt, die in Schutt und Asche liegt? Hans-Peter Weigel, Nürnberg

Der Artikel hat meine Erlebnisse vor etwa 65 Jahren im diözesanen Konvikt in Speyer in das richtige Licht gerückt. Als Zehn- oder Elfjähriger war ich dort für ein Jahr untergebracht. Am 6. Dezember war es üblich, dass ein verkleideter Nikolaus im Speisesaal auf einem Thron Platz nahm und die Seminaristen ein etwa 10 bis 15 Meter langes Spalier davor bildeten. Jeder hatte eine lange Rute oder Stock. Wir Sextaner oder Quintaner wurden vom Nikolaus aufgerufen und mussten das

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen