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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2019
Rebellion der Zukunft
Retten uns die Schüler?
Der Inhalt:

Aufgefallen: Die Berührbare

von Eva-Maria Lerch vom 05.04.2019
Jacinda Ardern, die Regierungschefin von Neuseeland, hat nicht nur nach dem Massaker in den Moscheen von Christchurch Empathie gezeigt

In den Tagen nach dem Massaker trägt Jacinda Ardern ein Kopftuch. Das sichtbare Zeichen ihrer Solidarität mit den Opfern des Attentats auf die betenden Muslime in Christchurch geht um die Welt. Viele andere Neuseeländerinnen folgen ihrem Beispiel, demonstrieren mit Kopftüchern ihre Verbundenheit mit den Opfern des rechtsradikalen Terrors.

Die Reaktion der neuseeländischen Premierministerin auf die brutale Ermordung von fünfzig Männern, Frauen und Kindern in zwei Moscheen beschränkt sich nicht auf das Tragen des Kopftuchs. Mit dem Friedensgruß »Salam alaikum« begrüßt sie danach das Parlament. Sie erklärt offiziell, dass sie den Namen des Täters niemals in den Mund nehmen werde, trägt stattdessen die Namen der Opfer vor. Und binnen weniger Tage hat sie eine Verschärfung des Waffenrechts durchgebracht.

Seither wird Jacinda Ardern oft als »Anti-Trump« bezeichnet, Imame in aller Welt bedankten sich tief bewegt bei ihr. In Dubai wird das Bild, wie sie eine trauernde Muslima umarmt, auf das höchste Gebäude der Welt projiziert.

Eine außergewöhnliche Politikerin war die Tochter eines Polizisten und einer Hauswirtschafterin schon vorher. Als die Labour-Partei die junge Politologin vor drei Jahren zu ihrer Spitzenkandidatin machte, löste ihr pragmatisches und warmherziges Auftreten eine Welle der Sympathie aus, die sogenannte »Jacindamania«. Die Stimmen für die Labour-Partei wurden dadurch fast verdoppelt – und Ardern mit 37 Jahren zur jüngsten Regierungschefin der Welt. Allerdings musste sie dafür nicht nur mit den Grünen, sondern auch mit der rechtspopulistischen »New Zealand First«-Partei koalieren, die mit neun Sitzen zum Zünglein an der Waage geworden war. Schon da wurde deutlich, dass Neuseeland von rechtsnationalen Strömungen durchzogen und nicht die Insel der Seligen ist, für die sie in Europa oft gehalten wird.

Gut neun Monate nach ihrer Wahl zur Regierungschefin brachte Ardern eine Tochter zur Welt – ein lang ersehntes Wunschkind, das sie »Neve te Ahora« nannte, das ist eine Mischung aus Irisch und Maori. Sie teilte sich die Erziehung mit ihrem Lebensgefährten, dem Fernsehmoderator Clark Gayford, und nahm das Baby auch mal mit in die Vollversammlung der UN. Sie sei »schließlich nicht die erste Frau, die Multitasking praktiziert«, erklärte sie gegenüber Leuten, die das komisch fanden.

Ein besonderes Augenmerk von Ard

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