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kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2018
Krone der Schöpfung?
Es ist Zeit für eine Grüne Reformation
Der Inhalt:

Obdachlos in Athen

Die Wirtschaftskrise hat viele Griechen an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Die Zahl der Obdachlosen steigt – und der griechische Staat wird von den Gläubigern zu Zwangsversteigerungen gedrängt. Ein Bericht aus Athen

Giorgos drückt zwei große Plastiktüten fest an sich. Darin sind eine Decke und warme Klamotten – sein ganzer Besitz. Der 43-Jährige, der seinen Nachnamen nicht in der Zeitung lesen will, lebt in einem verlassenen Gebäude im Zentrum von Athen, zusammen mit anderen Griechen und Einwanderern. »Unter uns gibt es Solidarität und Verständnis. Aber völlig vertrauen kann man sich nicht«, sagt Giorgos. Deshalb nimmt er all seine Sachen mit, wenn er das Gebäude verlässt. Denn es geht ums Überleben in der nächtlichen Kälte der griechischen Hauptstadt.

In Athen leben schätzungsweise 1100 bis 2000 Menschen auf der Straße. Hunderte andere suchen sich in verlassenen Gebäuden einen Platz zum Schlafen. Giorgos ist einer von ihnen. Seit mehr als drei Jahren ist er obdachlos. Aus familiären Gründen landete der große, kräftige Mann mit dem bitteren Lächeln auf der Straße. Mehr möchte er dazu nicht sagen. Früher hat er in einem Kiosk gearbeitet und war auch mal als Discjockey tätig, heute findet er keine Arbeit mehr und kann sich deshalb keine Wohnung leisten. Bis jetzt hat Giorgos keine Unterstützung vom griechischen Staat bekommen. »Die Voraussetzungen dafür sind absurd«, erklärt er. Außerdem gebe es einen sozialen Rassismus gegenüber griechischen Obdachlosen im Vergleich zu Flüchtlingen. Das ärgert ihn. Giorgos spielt auf die Millionensummen an, die die EU in den letzten drei Jahren nach Griechenland überwiesen hat – für die Unterstützung von Flüchtlingen. Währenddessen krümmten sich das Land und seine Menschen weiter unter den Sparmaßnahmen der Gläubiger. Denn die Krise in Griechenland ist noch längst nicht überwunden. Bereits 2011, also zu Beginn der Wirtschaftskrise, waren in Griechenland rund 20 000 Menschen obdachlos, wie eine Studie