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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2018
Krone der Schöpfung?
Es ist Zeit für eine Grüne Reformation
Der Inhalt:

»Ich lerne viel, auch Jugendsprache«

von Anke Lübbert vom 13.04.2018
Wolfgang Römer begleitet Hamburger Kinder zu ihren Vätern im Gefängnis und spielt Karten mit jungen Häftlingen

Alle zwei Wochen kaufe ich mittwochs morgens ein: Süßigkeiten, Obst, Kekse, Getränke. Nachmittags gehe ich mit Kindern zu ihren Vätern ins Gefängnis. Der Hamburger Fürsorgeverein organisiert diese Vater-Kind-Gruppe. Sie gilt nicht als Besuchstermin. Denn Häftlinge dürfen nur einmal in der Woche Besuch bekommen. Deshalb dürfen die Mütter auch nicht dabei sein. Sie warten in einem separaten Raum. Währenddessen organisiere ich die Begegnung zwischen Vätern und Kindern, wir basteln und spielen zusammen.

Außerdem betreue ich ein wöchentliches Spielangebot in der Jugendstrafanstalt Hanöfersand. Mit den jungen Häftlingen spiele ich Karten- oder Würfelspiele. Für die Jugendlichen ist das oft der einzige Kontakt zur normalen Welt. Die Verantwortlichen vom Hamburger Fürsorgeverein haben mir geraten, ich solle mich nicht allzu sehr mit den Jugendlichen anfreunden. Aber ihre Geschichten berühren mich manchmal sehr. Neulich bin ich nachts aufgewacht, weil mir ein 17-Jähriger nicht mehr aus dem Kopf ging. Der war schon zum dritten Mal im Gefängnis und hatte keine Schulausbildung. Dass er so gar keine Zukunft hat, das bedrückt mich.

Ich hatte ein erfolgreiches Berufsleben, habe bis zu meinem 74. Geburtstag gearbeitet und war zuletzt als Geschäftsführer in einem Speditions- und Logistikunternehmen für 400 Mitarbeiter verantwortlich. Eigentlich hatte ich mich immer auf meinen Ruhestand und meine Enkel gefreut. Nun lebt aber eine Tochter in den USA, die andere in Italien. Und meine Frau hat als Steuerberaterin eine eigene Firma. Ich bin nicht der Typ, der den ganzen Tag im Garten werkelt. Darum bin ich kurz vor meinem letzten Arbeitstag auf einer Ehrenamtsmesse gewesen und habe mich erkundigt, was ich machen könnte.

Diese Gefängnisangebote machen mir sehr viel Freude, ich lerne so viel, zum Beispiel Jugendsprache. Meinen Freunden erzähle ich davon, weil ich denke, dass es ihnen guttun würde, etwas Ähnliches zu machen. Wenn die wüssten, wie viel Spaß das macht, wie erfüllend das ist! Meine Woche ist fast so voll wie eine normale Arbeitswoche, denn ich bin über das Programm Zeit für Zukunft auch noch Mentor für einen deutsch-türkischen Jungen, der aus sehr armen Verhältnissen kommt. Wir unternehmen was, entdecken Hamburg zusammen. Dieses Ehrenamt ergänzt mein Engagement in den Haftanstalten: Ich hoffe, damit Prävention

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