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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2018
Krone der Schöpfung?
Es ist Zeit für eine Grüne Reformation
Der Inhalt:

Spiritprotokoll: »Ich bin das nicht, der diese Stücke schafft«

Wenn Christopher Brandt komponiert, scheint es ihm, dass die Töne sich selbst organisieren

Eigentlich kann ich gar nicht komponieren. Jedenfalls nicht so, wie man sich das vielleicht vorstellt: dass ich mich hinsetze und dann weiß, was ich tun muss, um ein Stück zu schreiben. Das liegt daran, dass ich nicht willentlich herbeiführen kann, eine Idee zu haben. In der Musik gibt es heutzutage sehr viele Rationalisierungstechniken, die das Komponieren erleichtern sollen: Algorithmen, die die Tonhöhen organisieren zum Beispiel. Spannend wird es aber eigentlich erst da, wo sich etwas nicht rational organisieren lässt. Wenn es mir gelingt, einen Freiraum dafür zuzulassen, dass Töne sich selbst organisieren, ohne dass ich versuche, es rational zu steuern: Das ist die Herausforderung, die eigenen Grenzen zu sprengen.

Schon aus organisatorischen Gründen kann ich nicht einfach drei bis vier Stunden am Stück dasitzen und an einer Komposition arbeiten. Ich lebe mit meinen drei Kindern zusammen, kümmere mich neben meiner Vollzeitstelle als Professor an der Musikhochschule Frankfurt noch um Einkauf, Haushalt und solche Dinge. Aber auch wenn ich viel Zeit zum Komponieren hätte, wäre meine Erwartung, etwas Kreatives machen zu müssen, wahrscheinlich so groß, dass ich eine Blockade bekäme. Deshalb schreibe ich so quasi nebenbei: bei der Arbeit, im Zug, auf einem Spaziergang oder auch hier zu Hause so zwischendurch oder abends mal ne halbe Stunde. Ich schreibe da immer so vor mich hin, akzeptiere alles, was aufs Papier kommt.

Das ist ein absolut spiritueller Prozess, denn im Moment des Schreibens gebe ich die Verantwortung für das, was ich gerade schreibe, ab. Dadurch kann etwas entstehen, das größer ist als ich. Es ist etwas, das ich nicht durch rationale Steuerung hergestellt habe. Als spirituell empfinde ich