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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2018
Krone der Schöpfung?
Es ist Zeit für eine Grüne Reformation
Der Inhalt:

Buch des Monats: Der innere Kompass

von Norbert Copray vom 13.04.2018
Wie unwürdiges Denken und Handeln zu überwinden ist

Gerald Hüther
Würde
Was uns stark macht – als Einzelne und als Gesellschaft. Knaus. 188 Seiten. 20 €

»Verletzt nicht jeder, der die Würde eines anderen Menschen verletzt, in Wirklichkeit seine eigene Würde?« Diese Schlüsselfrage stellt der bekannte Neurobiologe Gerald Hüther seinem Buch voran. Es geht ihm darum, den »inneren Kompass« zu suchen, »den jeder Mensch im Lauf seines Lebens entwickelt«. Dieser hilft ihm, »sich nicht in der Vielfalt der von außen an ihn herangetragenen oder auf ihn einstürmenden Anforderungen und Angebote zu verlieren«. An das Gewissen zu appellieren, an Werte und Normen zu erinnern, Druck zu machen und Gesetze zu erlassen – all das sei zwar nicht falsch, aber letztlich nicht wirksam, um einen Weg aus der kritischen Situation von Menschheit und Planet zu finden. Für Hüther ist der innere Kompass der entscheidende Schlüssel zum human-sozial-ökologischen Fortschritt. Aus neurobiologischer Sicht sei dieser Kompass mit einem »inneren Bild« zu vergleichen. Es gibt vor, wie man und wer man sein will. Und für diese innere Vorstellung »gibt es im Deutschen einen wunderbaren, wenngleich schon fast vergessenen Namen: Würde«.

Hüther will in seinem großen Essay die Würde naturwissenschaftlich aufschließen. Die Kernthese lautet: »Wer sich seiner eigenen Würde bewusst wird, ist nicht mehr verführbar.« Zunächst charakterisiert er, wie würdelos heutiges Handeln ist, das Erde und Menschheit in eine prekäre Situation gebracht hat. Sehr knapp wird skizziert, wie die Vorstellung von der Menschenwürde historisch entstanden ist. Dabei werden theologische Aspekte leider zu wenig berücksichtigt.

Das lernfähige und veränderungsaffine Gehirn des Menschen bietet laut Hüther die Chance, sich selbst als soziales Wesen zu entdecken, das zugleich autonom und kooperativ ist. Jeder Mensch ist einzigartig, mit einer eigenen Welt und einem individuellen, inneren Bild von sich selbst. Zugleich ist jeder Mensch kooperationsfähig und -bedürftig. Genau diese Wechselwirkung macht seine Würde aus.

Doch wie werden unsere Würdevorstellungen im Gehirn verankert? Hüther erklärt die elementare Bedeutung der Begleitung eines heranwachsenden Kindes für dessen psychische Entwicklung. Dies sei neurophysiologisch entscheidend, damit sich beim Kind das Empfinden und Bewusstsein der eigenen Würde entwickeln kann. Schließ

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