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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2017
Was heißt Auferstehung?
Ein Gespräch mit dem Schriftsteller Patrick Roth und der Theologin Margareta Gruber
Der Inhalt:

Streit um Paprika aus Palästina

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 07.04.2017
Eine internationale Bewegung fordert einen Boykott israelischer Produkte. Das ist heiß umstritten. Der Vorwurf: Antisemitismus. Längst ist ein Krieg der Ideen entbrannt, in dem um die Deutungshoheit gerungen wird

Darf man den Staat Israel boykottieren? Sollte man das sogar tun angesichts der israelischen Besatzung der Palästinensergebiete, die sich dieses Jahr zum fünfzigsten Mal jährt? In der Beantwortung dieser Frage sind die Fronten verhärtet. Zwei Lager stehen sich verfeindet gegenüber. Die Unversöhnlichkeit, mit der sie über den Boykott streiten, wird bereits am Vokabular deutlich: Da ist von »Kampf« die Rede, von »Angriff« und »Tarnung«. Längst geht es nicht mehr nur um Boykott – es geht um Gerechtigkeit und Identität, um Anstand und Moral. »Der Krieg um die Legitimität und die öffentliche Meinung ist nicht leichter als der auf dem Schlachtfeld«, sagt der israelische Generalmajor Eitan Dangot. Drei Buchstaben sind dabei zum Kampfbegriff geworden: BDS.

Das steht für Boykott, Desinvestment und Sanktionen. Gegründet wurde die Bewegung vor zwölf Jahren von palästinensischen Nichtregierungsorganisationen. Inzwischen hat sie Unterstützer in aller Welt. Darunter sind die US-Philosophin Judith Butler, der südafrikanische Bischof Desmond Tutu, der israelische Historiker und Autor Ilan Pappe sowie die US-Journalistin Naomi Klein. Ihr Vorbild: der südafrikanische Kampf gegen die Apartheid. Israel soll durch den zivilgesellschaftlichen Boykott zu einer anderen Politik gegenüber den Palästinensern gezwungen werden.

Für BDS-Befürworter ist klar: Nur wenn Palästinenser die gleichen Rechte haben wie Israelis, kann von Gerechtigkeit gesprochen werden, rückt Frieden in greifbare Nähe. Sie betonen, gewaltfrei und antirassistisch vorzugehen. Für Gegner hingegen gilt: BDS ist antisemitisch und gefährdet die Existenz Israels. Als »Front der Hasser« bezeichnet der Zentralrat der Juden die BDS-Aktivisten und schreibt: »Die antiisraelische Boykottbewegung BDS ist ein weltweites Propagandaforum für Feinde des jüdischen Staates.« Die israelische Regierung hat die Boykott-Bewegung gar zur »größten Bedrohung des Landes« erklärt.

Während einige Gruppen den Kauf sämtlicher Produkte aus Israel ablehnen, beziehen andere den Boykott nur auf solche Produkte und Dienstleistungen, die aus den von Israel besetzten Gebieten stammen, den illegalen Siedlungen also. So handhabt es beispielsweise auch die deutsche Sektion von pax christi mit ihrer Aktion »Besatzung schmeckt bitter«. Eine weitere Form des Boykotts ist jener im

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