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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2017
Was heißt Auferstehung?
Ein Gespräch mit dem Schriftsteller Patrick Roth und der Theologin Margareta Gruber
Der Inhalt:

Der andere Blick

Lange wurde nur über Flüchtlinge berichtet. Das ändert sich langsam. Geflüchtete Journalisten greifen immer öfter selbst zu Kamera, Notizblock und Mikrofon – und mischen die deutsche Medienlandschaft auf

Sharmila Hashimi wünscht sich nichts sehnlicher, als endlich das Etikett »Flüchtling« loszuwerden. Denn sie ist Journalistin. Ihr Wunsch ist es, von den Deutschen eines Tages auch als solche wahrgenommen zu werden. Als Frau wurde die 29-Jährige in ihrer Heimat Afghanistan doppelt angefeindet: Sie erhielt Drohungen, weil sie für ausländische Medien über Frauen- und Bürgerrechte geschrieben hatte und weil sie eine Frau ist, die es wagte zu arbeiten. Als sie den ständigen Druck nicht mehr aushielt, floh sie mit ihrem Sohn nach Deutschland.

In den deutschen Medien waren Geflüchtete lange Zeit eher Objekt als Subjekt der Berichterstattung. In einigen deutschen Zeitungen und Magazinen kommen sie inzwischen selbst zu Wort. So veröffentlicht der Spiegel seit April 2016 Kolumnen des syrischen Journalisten Nather Henafe Alali, der Tagesspiegel produzierte vergangenen Herbst eine ganze Sonderausgabe mit geflüchteten Journalisten, und im Lokalteil der Süddeutschen Zeitung berichten abwechselnd vier geflohene Medienmacher aus Nigeria und Syrien, Uganda und Afghanistan, wie sie Deutschland sehen und die Deutschen erleben. Doch vielen reicht das nicht. Sie wollen, so wie Hashimi, wieder in ihrem Beruf als Journalist arbeiten – nicht nur gelegentlich eine Kolumne schreiben dürfen. Und sie wollen nicht nur über Flüchtlingsthemen berichten.

Um Journalisten im deutschen Exil zu unterstützen und ihnen professionelle Medienarbeit zu ermöglichen, hat die Evangelische Journalistenschule in Berlin vor wenigen Monaten eine Fortbildungsreihe gestartet. Daraus hervorgegangen ist eine Online-Zeitung, die seit Anfang März auf Farsi und Arabisch erscheint: Amal Berlin. Amal heißt Hoffnung. Hashimi und die anderen Journalisten wollen mit der Online-Plattform ihre Landsleute über die Ereignisse in Berlin und ganz Deutschland unterrichten. Sie schreiben zum Beispiel über den Flughafen-Streit in Tegel, über Merkels Besuch bei Donald Trump und Tipps für Existenzgründer. Die Artikel werden auch ins Deutsche übersetzt. Doch hier liegt das Problem: Durch die Arbeit in ihren Muttersprachen bleiben die Medienschaffenden in einer Nische – ohne ausreichende Deutschkenntnisse können sie nicht für deutsche Medien arbeiten.

Journalisten als Brückenbauer

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