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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2016
Eine Stadt sucht Heilung
Brüssel nach dem Terror
Der Inhalt:

Unten im Keller

Roman. Deutschland im Jahr 2031: Stürme und Überschwemmungen verwüsten das Land, der Klimakollaps steht kurz bevor, Fleisch und Benzin sind knapp und nur gegen zugeteilte CO2-Punkte erhältlich. Es gibt kaum noch alte Menschen, stattdessen sogenannte »Echt-Junge« und »Bio-Junge«, Letztere schwören trotz hohen Krebsrisikos auf die Verjüngungspille »Ephebo«. Diese düstere Zukunftsvision entwirft Karen Duve in ihrem bitterbösen und makaberen neuen Roman »Macht«.

Nicht nur die Welt ist darin aus den Fugen geraten, auch der Ich-Erzähler Sebastian Bürger ist ein Sadist. Er hat seine Exfrau Christine, Ministerin für Umwelt und Naturschutz, entführt und hält sie im Keller seines Hauses gefangen. Jahrelang musste der resignierte Öko-Aktivist Christines vermeintliche Demütigungen ertragen, jetzt kann er sich endlich als »Gebieter« fühlen und an seiner Macht berauschen – während sie seine Lieblingskekse backen und ihm sexuell zu Diensten sein muss.

Folgen seines Handelns fürchtet Sebastian nicht, weil die Welt seiner Meinung nach längst untergegangen sein wird, bevor man ihn entdeckt oder gar bestraft. Doch als er bei einem Klassentreffen seine Jugendliebe wiedertrifft, wird ihm seine geheime Kellerwelt plötzlich lästig, und er möchte Christine am liebsten loswerden.

Erzählt ist das wie gewohnt sehr lakonisch: »Ich weiß, das klingt jetzt alles ganz furchtbar, Kette und Halsband, da denkt man leicht an Inquisition oder SM-Studio, aber ich bin kein Perverser, bloß ein Mann mit seinen ganz normalen Bedürfnissen.« Mit der verqueren Logik eines Psychopathen rechtfertigt Sebastian sein grausames Handeln und ist dabei so empört und selbstgerecht, dass Lachen, Ekel und Abscheu beim Lesen n