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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2016
Eine Stadt sucht Heilung
Brüssel nach dem Terror
Der Inhalt:

Das Politische Porträt: »Ich bin das grüne Schaf der Familie«

von Josefine Janert vom 15.04.2016
Bildung für alle, kein Zwischenlager für Atom. Die Abgeordnete Ulrike Berger trifft damit nicht nur auf Gegenliebe. Doch in Mecklenburg- Vorpommern, wo es Bündnisgrüne wie sie schwer haben, bewegt sie trotzdem was

Heute hat sie Zeit gehabt, ihren Sohn von der Kita in Greifswald abzuholen. Sie haben zusammen »Memory« gespielt, dann hat sich die Erziehungswissenschaftlerin auf den Weg nach Anklam gemacht. Der Junge ist zweieinhalb, Ulrike Berger freut sich immer riesig auf die »Mutter-Sohn-Nachmittage«, wie sie sie nennt. Oft kümmert sich ihr Mann, ein Grafik-Designer, um den Sohn und die 14- und 15-jährigen Töchter. Zeit für sie hat sie zu wenig, der Terminkalender der 36-jährigen bündnisgrünen Landtagsabgeordneten platzt aus allen Nähten. Und auf ihrer Umhängetasche prangt der Satz: »Ich bin das grüne Schaf der Familie.«

Jetzt steht sie vor ihrem Büro in Anklam, einer Stadt mit 13 000 Einwohnern nahe der polnischen Grenze. Hier gibt es, wie vielerorts in Mecklenburg-Vorpommern, zu wenig Jobs. Wie zum Trotz haben Berger und ihr Team fröhliche Sonnenblumen auf die Scheiben des Büros gemalt. Auch ein Plakat gegen Nazis hängt da. Das Büro der NPD ist nur ein paar Schritte entfernt. Auf einer Hauswand steht: »Wessis raus!« Ulrike Berger ist in der DDR aufgewachsen, auf der Insel Usedom. »Man hat uns hier schon die Scheiben eingeschmissen«, sagt sie. Die Täter wurden nie ermittelt.

Mecklenburg-Vorpommern ist für die Bündnisgrünen ein schwieriges Pflaster. Erst spät, 1993, hatten sich Bürgerrechtler vom Bündnis 90 und Umweltaktivisten zu einer Partei vereinigt. In keinem anderen Bundesland hat die Partei so wenig Mitglieder: 580. Die meisten leben in Rostock, Schwerin und Greifswald. Das linksliberale Bürgertum, aus dem die Anhänger der Partei traditionell stammen, ist auf dem Land kaum zu finden. Daher sind sie in keinem anderen Bundesland so spät ins Parlament eingezogen: 2011, ein halbes Jahr nach Fukushima, mit knapp neun Prozent.

Am 4. September wird hier wieder gewählt. In Umfragen liegt die Partei bei fünf Prozent. »Ich bin überzeugt davon, dass wir es schaffen«, sagt Ulrike Berger. Und wenn nicht? Dann werde sie sich trotzdem weiter politisch engagieren. Und zu ihrem Job als Deutschlehrerin für ausländische Studierende an der Uni Greifswald zurückkehren. Die vielen Schulabbrecher, die unsichere Zukunft der Kultureinrichtungen – für eine wie sie gibt es auch ohne Landtagsmandat hier viel zu tun. Jetzt ist Berger Sprecherin für Bildung, Kultur und Atompolitik. Auch die Flüchtlingspolitik bewegt sie. Hin und wieder schafft sie es, selbst gebackene

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