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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2016
Eine Stadt sucht Heilung
Brüssel nach dem Terror
Der Inhalt:

Der Rütli-Effekt

Vor zehn Jahren wandten sich die Lehrer der Rütli-Hauptschule im Berliner Stadtbezirk Neukölln mit einem Hilfeschrei an die Öffentlichkeit. Heute nennt sich die Schule Campus und ist ein Lernparadies. Die Chronologie einer Wende

Es waren harte Worte. Verpackt in sachlichen Sätzen. Abgesegnet von der gesamten Lehrerschaft. Ein dreiseitiger Brandbrief an den Berliner Senat, der nach seiner Veröffentlichung einen Medien-Tsunami auslöste. Zehn Jahre ist das her. Zehn Jahre, in denen sich die »Terror-Schule« in Berlin-Neukölln in ein Lernparadies verwandelt hat. Heute zeigt die Rütli-Geschichte, dass man eine Schule und ihre Schüler retten kann, wenn man nur will.

Mit ihrem Hilfeschrei an die Öffentlichkeit, den die damals kommissarische Schulleiterin Petra Eggelbrecht verfasst hatte, trauten sich die Lehrer, wozu anderen der Mut fehlte. Sie beschrieben den Schulalltag – und dies schonungslos: »Türen werden eingetreten, Papierkörbe als Fußbälle missbraucht, Knallkörper gezündet. In vielen Klassen ist das Verhalten im Unterricht geprägt durch totale Ablehnung des Unterrichtsstoffes und menschenverachtendes Auftreten. Gegenstände fliegen zielgerichtet gegen Lehrkräfte. Der Intensiv täter wird zum Vorbild.«

Und sie fragten: »Welchen Sinn macht es, dass in einer Schule alle Schüler gesammelt werden, die weder von den Eltern noch von der Wirtschaft Perspektiven aufgezeigt bekommen?« Um zu verstehen, was sie damit meinten, muss man wissen, dass aus den damaligen Abschlussklassen keiner einen Ausbildungsplatz bekommen hatte. Man muss wissen, dass die meisten der elterlichen Haushalte Empfänger von Transferleistungen waren. Außerdem muss man diesen vielleicht 15-jährigen Jungen gesehen haben, Basecap, kahlrasierter Schädel, der in die Kamera von Spiegel TV sagte: »An dieser Schule hat man sowieso keine Zukunft. Ich habe keine Zukunft. Ich werde Überfälle machen. Jeden Tag.«

Intensivtäter