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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2016
Eine Stadt sucht Heilung
Brüssel nach dem Terror
Der Inhalt:

Heimatrecht für Amor

von Stephan Goertz vom 15.04.2016
Papst Franziskus überwindet den Stillstand, den seine Amtsvorgänger in Sachen Liebe, Sex und Ehe lehramtlich festgeschrieben hatten. Anmerkungen zum Apostolischen Schreiben »Amoris Laetitia«

Schon der Titel des am 8. April veröffentlichten Apostolischen Schreibens von Papst Franziskus zu Ehe und Familie lässt aufhorchen: »Amoris Laetitia« (AL), die Freude der Liebe. Der lateinische Begriff Amor bezeichnet die leidenschaftliche, die intime liebevolle Beziehung zwischen Menschen, nicht zuletzt in Ehe und Familie.

Anders als der Begriff der Caritas besitzt Amor eine sinnliche Komponente. Und diese wird vom Papst ganz unbefangen bejaht: »Wir glauben, dass Gott das frohe Genießen des Menschen liebt, dass er alles erschuf, ›damit wir es genießen‹ (siehe 1. Timotheusbrief 6, 17)« (AL 149). Die leidenschaftlich lustvolle Liebe, daran erinnert Franziskus, gehört für die Mystiker zu den Bildern, die das Verhältnis des Menschen zu Gott ausdrücken.

Jahrzehntelange Verbotskultur

Vergleichen wir also den Titel Amoris Laetitia mit zwei anderen päpstlichen Schreiben zur Ehe in der Vergangenheit. Papst Pius IX. veröffentlicht 1930 seine Enzyklika über die Ehe unter dem Titel »Casti Connubii«, der (sittlich) reinen Ehe Hoheit und Würde. Mit einer Reihe von konkreten Geboten soll die keusche Gestalt des ehelichen Lebens bewahrt werden. Sexualität wird gewissermaßen nur unter der Bedingung geduldet, dass sie sich in der Ehe an die Vorgaben der Naturordnung hält.

Die berühmte Enzyklika von Papst Paul VI. zur Ehelehre und Ehemoral von 1968 beginnt mit den Worten »Humanae Vitae«. In der Übersetzung: Die überaus ernste Aufgabe, menschliches Leben weiterzugeben. Die Liebe der Eheleute steht also vorrangig im Dienst der Weitergabe des Lebens. Alle sexuellen Handlungen, die damit nicht in Einklang stehen – mit Ausnahme der natürlichen Methode der Empfängnisregelung –, werden strikt verurteilt. Damit wird auf der Ebene der Feststellung der Norm die Lehre von 1930 bestätigt.

Während des langen Pontifikates von Johannes Paul II. steht die Ehemoral ganz im Zeichen der Verteidigung von Humanae Vitae. In seiner Moralenzyklika »Veritatis Splendor« (Glanz der Wahrheit) bezeichnet es Johannes Paul II. 1993 ausdrücklich als sein Kernanliegen, das unveränderliche Verbot der »immer und ohne Ausnahme in sich schlechten Akte« zu bekräftigen. Gemeint ist damit nicht zuletzt das Verbot aller sexuellen Handlungen, die die eheliche Verbindung von sexuell

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