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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2016
Eine Stadt sucht Heilung
Brüssel nach dem Terror
Der Inhalt:

Aufgefallen: Der Verlässliche

Mit klaren Worten gegen rechts macht sich Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung nicht nur Freunde. Doch er wählt nie den einfachen Weg

Nicht alle waren erfreut, aber gesessen hat es doch: »Ich halte die Stimmung in Sachsen kaum noch aus«, bekannte der Leipziger SPD-Oberbürgermeister Burkhard Jung. Im Internetportal des Deutschen Katholikentages, der vom 25. bis 29. Mai in der sächsischen Messe metropole stattfindet, forderte er seine Rathauskollegen im Land auf, sich deutlicher gegen den Rechtsextremismus zu positionieren. Wären da nicht die vielen Menschen, die Willkommenskultur leben und deutlich auf der Straße Widerstand formulieren, »dann könnte man fast verzweifeln«, erklärte der 58-Jährige Politiker aus Siegen. Er selbst ist in seinen gut zehn Jahren als Rathauschef regelmäßig weit vor Pegida und Legida auf der Straße gewesen. Etwa als der Hamburger Neonazi Christian Worch wiederholt aufmarschierte. Jung macht aber auch, wie Mitstreiter sagen, gemeinsam mit vielen in der Stadt, eine »vernünftige Integrationspolitik«. Das schafft nicht nur Freunde. »No Asyl« und »OB Jung wir kriegen dich« stand jüngst neben einem Galgen auf einem Container in der Stadt. Einschüchtern ließ er sich nicht.

So richtig leicht gemacht hat es sich Burkhard Jung wohl nie. 1991 wurde der damalige Deutsch- und Religionslehrer aus dem evangelikal geprägten Siegen nach Leipzig abgeordnet. Seine Aufgabe war ebenso verlockend wie schwierig. Er sollte als Schulleiter das Evangelische Schulzentrum aufbauen: eine Grund- und Mittelschule und ein Gymnasium unter einem Dach in kirchlicher Trägerschaft. Die Schule, ein Kind der Friedlichen Revolution, ging aus der Initiative Freie Pädagogik der christlichen Elternforen der Stadt hervor. »Er hatte für alle ein offenes Ohr, hörte genau zu, war verantwortungsvoll und fleißig«, sagt