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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2016
Eine Stadt sucht Heilung
Brüssel nach dem Terror
Der Inhalt:

Buchbesprechungen

vom 15.04.2016

Johannes Hartl
Gott ungezähmt
Herder. 218 Seiten. 19,99 €

»Wovor man nicht zittern kann, das kann man nicht anbeten.« Der Autor, Gründer und Leiter des Gebetshauses Augsburg, versteht Gott als »das höchste Gesetz«. Er sei »der souveräne, glückliche Herrscher des Alls«, »der Übermächtige«. Es gehe »im Letzten um seine Herrschaft«. Der Mensch stehe vor der Alternative: Entweder »wir verkaufen einen Gott ohne Gesetz, ohne Anforderung, ohne Gericht, ohne Hölle«, oder der Mensch übt »freiwillige Unterwerfung unter Gott«. Hartls Standpunkt ist deutlich: »Gott ist kein Kumpel, sondern Richter.« Daraus folgt: »Der gezähmte Gott ist überhaupt kein Gott.« Wer dies bestreitet, verharmlose Gott, der ungezähmt in voller Macht herrsche und niemandem Rechenschaft schuldig sei. Dieser Gott habe sich letztlich nur im Christentum offenbart. Selbst das Alte Testament »wird nur verständlich im Licht Jesu Christi und seiner Botschaft«. Ein erschreckendes, despotisches Gottesbild eines promovierten Theologen, das sich mit einem ebenso patriarchalischen Menschenbild verbindet, nach dem nur ein strafender Vater auch kraftvoll beschützen kann. Wolfgang Pauly

Michel Eltchaninoff
In Putins Kopf
Tropen. 192 Seiten. 14,95 €

Die glänzend geschriebene, scharfsinnige, äußerst kenntnisreiche Untersuchung beschäftigt sich mit den philosophischen und theologischen Grundlagen von Putins Politik. Dabei stilisiert der Verfasser Putin nicht zum Intellektuellen. Aber er arbeitet heraus, wie Putin Philosophie und Religion instrumentalisiert und für seine jeweiligen Ziele benutzt. Durch die Arbeit im Komitee für Staatssicherheit erweise er sich als geschult im Umgang mit Menschen. Gab er sich zu Beginn seiner Präsidentschaft als Liberaler, setzte er 2013 zur konservativen Wende an. Seine übergreifenden Ziele seien eine eigene russische Welt, was eine Abkehr vom als dekadent angesehenen Westen bedeute und die Errichtung eines eurasischen Imperiums mit Russland als Dreh- und Angelpunkt. Die Stiftung »Russische Welt«, die russische Sprache und Kultur verbreiten soll und auf Patriotismus, christlichen Werten und Tradition beruht, könnte die Führung der konservativen Bewegungen Europas übernehmen. Jürgen Israel

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