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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2015
Der Inhalt:

Von Aldi-Hörsälen und Drohnen-Forschern

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 10.04.2015
Unternehmen und private Stiftungen beeinflussen das Hochschulwesen in Deutschland scheinbar mehr und mehr. Ist die Freiheit von Forschung und Lehre noch gegeben? Eine Spurensuche

Die großen weißen Papiertüten, die zu Anfang des Semesters in der Uni-Mensa in Gießen verteilt werden, sind sehr beliebt. »Die gehen ganz schnell weg«, erzählt Benjamin Lerch, der im dritten Semester Wirtschaftswissenschaften studiert. Lauter nützliches Zeug sei da drin. »Eine Packung Nudeln, eine Dose Red Bull, Gutscheine, Kondome, Kulis, Shampoo-Proben«, zählt er den Inhalt auf. Auch ein DIN-A4-Block, auf dessen Vorderseite das Amazon-Logo prangt, sei dabei gewesen. Ist das unlautere Einflussnahme? »Schreibblock ist Schreibblock«, sagt Benjamin, »ich nutze ihn einfach.«

Nicht alle sehen das so pragmatisch wie er. Manche sehen in solchen Aktionen ein Zeichen für die schleichende Übernahme der Universitäten durch die Wirtschaft. Eine »Überraschungstüte« mit Amazon-Block oder ein Hörsaal, an dessen Türen Werbung von Aldi prangt, sind da noch die harmloseren Varianten. Viel gefährlicher sei die subtile Einflussnahme auf Inhalte, befürchten Skeptiker. Und in der Tat sind die Zahlen, die das Portal Hochschulwatch veröffentlicht hat, alarmierend: Jährlich fließen mehr als 1,3 Milliarden Euro aus der gewerblichen Wirtschaft an deutsche Hochschulen. Über 10 000 Kooperationen zwischen Wirtschaft und Hochschulen haben die Initiatoren binnen zwei Jahren notiert.

Das Phänomen lässt sich bundesweit beobachten: An der FH Flensburg kann man Windenergietechnik studieren. Die Professur wurde von namhaften Firmen aus der Branche gestiftet. Die Uni Hannover forscht im Auftrag der Bundeswehr – auch um Drohnenschwärme soll es dabei angeblich gegangen sein – und erhielt in den vergangenen vier Jahren knapp sechs Millionen Euro aus dem Verteidigungsministerium. Und die Sinologie-Professur an der Uni Göttingen? Sie wird unter anderem von der chinesischen Regierung bezahlt.

Was haben Unternehmen an unseren Bildungsstätten zu suchen? Und wird am EADS-Stiftungslehrstuhl für Hubschraubertechnologie an der TU München tatsächlich für die Allgemeinheit geforscht – oder nur noch im Sinne der Airbus Group, die den Lehrstuhl gestiftet hat? Fakt ist: Es gibt einen Trend hin zu immer mehr Verbindungen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft. Darüber herrscht Einigkeit. Aus dem deutschen Ministerium für Bildung und Forschung (BMBF) heißt

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