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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2015
Und der Mensch schuf das Netz
Gott in der digitalen Revolution
Der Inhalt:

Mutwillige Beschwichtigung

von Christian Wolff vom 10.04.2015
Alle wissen, dass die NPD hinter Aktionen gegen Asylbewerber steckt wie in Tröglitz. Nur der Verfassungsschutz weiß wieder mal von nichts. Ein Zwischenruf

Am frühen Ostermorgen werden vor vielen Kirchen Osterfeuer entfacht, an denen die Osterkerze angezündet und dann in die dunkle Kirche getragen wird. Die Botschaft ist eindeutig: Christus, das Licht, möge die Finsternis dieser Welt erhellen.

In der Nacht von Karfreitag auf Karsamstag wurde in Tröglitz in Sachsen-Anhalt mutwillig ein Brand in dem Haus gelegt, das für die Unterbringung von vierzig Asylbewerbern vorgesehen ist und dafür hergerichtet wurde. Eine Straftat, ein Verbrechen, das nur Dunkelheit verbreitet und die Hoffnung vieler Menschen zerstört – insbesondere der Menschen, die bei uns Zuflucht suchen. Zurück bleibt ein Trümmerhaufen – nicht nur von verkohltem Gebälk, auch ein Trümmerhaufen rechtsradikalen Gedankenguts und kollektiven Beschwichtigens.

Was in Tröglitz geschehen ist, wirkt wie ein Mikrokosmos dessen, was seit Monaten insbesondere durch Pegida/Legida an Hass geschürt worden ist und von allzu vielen beschönigend als »Sorgen und Ängste der Menschen« verharmlost wurde. Doch wenn diese zu Flammenwerfern werden, muss es vorbei sein mit der Verständnisduselei. Und vor allem muss es vorbei sein mit der Verharmlosung durch die Behörden. Davon sind wir noch immer weit entfernt.

Denn Tröglitz ist überall! 38 Anschläge wurden innerhalb der letzten 15 Monate deutschlandweit auf Asylunterkünfte verübt. Und da ist doch erstaunlich, was am 13. März 2015 online bei der Leipziger Volkszeitung zu lesen war: »In Tröglitz hat es nach Verfassungsschutz-Erkenntnissen keine Strategie der NPD gegeben. Die Demonstrationen gegen Asylbewerber in dem knapp 3000-Einwohner-Ort im Burgenlandkreis und der Rücktritt des Ortsbürgermeisters seien nicht Ergebnis einer strategisch geplanten NPD-Initiative, teilte Sachsen-Anhalts Innenministerium mit.«

Wie bitte? Seit Wochen wird in Tröglitz gegen die geplante Unterkunft für Asylbewerber und deren Befürworter demonstriert, angeführt von den örtlichen NPD-Größen; der Bürgermeister tritt zurück, weil man ihn nicht schützen konnte vor den Übergriffen der NPD. Deren Vertreter führen das große Wort auf der jüngsten Bürgerversammlung, pöbeln und krakeelen, während sich der »Normalbürger« weiter herauszuhalten versucht – und der Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt gibt als Ergebnis seiner »Untersuchungen« heraus: Es gibt keine NPD-Strategie in Tröglitz. Für wi

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