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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2013
Tödliche Hetze
Sozialethiker Friedhelm Hengsbach: »Wir brauchen Zeitrebellen«
Der Inhalt:

Das Herz schlägt für die Armen

von Thomas Seiterich vom 12.04.2013
Was scheidet die Befreiungstheologie von der Sozialpastoral des Papstes? Fragen an den Theologen Juan Carrillo Martinez

Wie denken die Befreiungstheologen in Argentinien über Jorge Mario Bergoglio, den neuen Papst Franziskus?

Juan Carrillo Martinez: Es gibt derzeit keine aktuelle, veröffentlichte Position vonseiten der argentinischen Befreiungstheologen zum neuen Papst. Klar ist jedoch: Es gab und gibt große Unterschiede zwischen der Sozialpastoral, die Jorge Mario Bergoglio als Kardinal-Erzbischof von Buenos Aires mit großem Einsatz gelebt hat, und dem unspektakulären Engagement der Curas en la Opción por los Pobres (COP), der Priester mit der Option für die Armen.

Wer sind diese Priester, die eine Option für die Armen vertreten?

Carrillo Martinez: Zunächst: Argentiniens Befreiungstheologen verfügen nicht über große Namen wie zum Beispiel Leonardo Boff und sein Bruder Clodovis Boff in Brasilien oder Gustavo Gutiérrez in Peru. Argentiniens Befreiungstheologen spielen an theologischen oder gesellschaftswissenschaftlichen Fakultäten keine besondere Rolle. Sie sind einfache Priester im Alter ab 35 Jahren und in der Regel Arbeiterpriester. Sie gehen Tag für Tag den Weg der Ausgebeuteten, deren Leben sie teilen. Darin liegt ihre große Stärke und ihre Authentizität.

Wo arbeiten sie genau?

Carrillo Martinez:Sie arbeiten zum Beispiel in den großindustriellen Agrar-Export-Zonen Nordargentiniens, wo in Monokultur Soja, Energiestoffe und Futtermittel für die norddeutsche Fleischproduktion oder den europäischen Biosprit produziert werden. In diesen Regionen ist der Leistungsdruck für die Arbeiter so stark, dass es schon vorkam, dass sich Leute zu Tode schufteten. Andere Arbeiterpriester der COP leben zusammen mit den Müllsammlern in den Städten. Viele teilen das verlassene Leben von Armen auf dem Land. Diese Befreiungstheologen liefern mithin keine großen gesellschaftskritischen oder theologiekritischen Entwürfe. Ihr Sprecher, der 58-jährige Pfarrer Eduardo de la Serna, ein Cousin von Ernesto Che Guevara, schreibt zuweilen in dem linken, von der linksperonistischen Regierung Cristina Kirchners finanziell abhängigen Magazin Pagina12. Einer der Hauptautoren dort ist übrigens der Journalist Horacio Verbitzky, der die anklagenden Artikel gegen Bergoglio bereits vor dem Konklave 2005 verfasste. Er hat anlässlich der Papstwahl nun seine

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