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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2012
Russisch Roulette im Labor
Die falschen Versprechungen der grünen Gentechnik
Der Inhalt:

Der Krieg in den Seelen

von Bettina Röder vom 04.05.2012
Warum die Diskussion über Auslandseinsätze überfällig ist. Fragen an den Militärbischof Martin Dutzmann

Publik-Forum: Herr Dutzmann, die Traumatisierung von deutschen Soldaten wird immer wieder diskutiert. Inwiefern hat sie zugenommen?

Martin Dutzmann: Vor allem die Psychotraumata, die zum Teil erst nach geraumer Zeit erkennbar werden, haben mit dem Einsatz in Afghanistan zugenommen. Das ist so etwas wie Krieg in den Seelen.

Was können Sie als Seelsorger tun?

Dutzmann: Man kann schlicht für diese Menschen da sein. In der Seelsorge außerhalb der Bundeswehr ist das ja auch entscheidend: diese Gewissheit, da ist jemand, der an meiner Seite steht. Aber zweierlei ist mir wichtig: Unsere Seelsorgerinnen und Seelsorger sind keine Psychiater. Sie können und wollen keine medizinische Behandlung traumatisierter Menschen ersetzen. Was wir anbieten, ist Seelsorge an ihnen und ihren Familien. Das zweite: Die Sorge ist primär Aufgabe des Staates. Kirche kann und will dem Staat bei dieser Aufgabe helfen und sie ergänzen. Es ist ja so, dass wir diese Rückkehrproblematik erst langsam begreifen.

Warum?

Dutzmann: Wir haben uns lange nicht klarmachen wollen, dass wir im Krieg sind und dass wir Soldaten in den Krieg schicken. Dass sie dort getötet werden können und dass wir wieder Kriegsversehrte haben.

Das Thema Rückkehrer hat bei Ihrer Jahrestagung jüngst in Rostock eine Rolle gespielt.

Dutzmann: Ja, ich habe dort unter anderem ein vorerst auf fünf Jahre angelegtes Projekt vorgestellt, in dem es um die aus dem Einsatz zurückkehrenden Soldatinnen und Soldaten geht. Wir wollen uns vor allem um die Menschen kümmern, die mit einer posttraumatischen Belastungsstörung oder körperlich verwundet zurückgekommen sind, und ihnen und ihren Familien einen Ort der Ruhe und des Austausches geben.

Wo soll das stattfinden?

Dutzmann: Wir wollen keine Nebenklinik aufbauen, es geht um Einkehrmöglichkeiten. Mit einer Atmosphäre wie sie ein Kloster oder eine Kirche bieten können.

Müsste da nicht die Politik anders reagieren, indem sie Menschen erst gar nicht dieser Situation aussetzt, dass sie Schaden nehmen. Haben Sie als Militärseelsorger da Einfluss?

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