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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2019
Wahrheit
Auf der Suche nach einem Ideal
Der Inhalt:

»Und allen einen schönen Frauentag!«

von Britta Baas vom 22.03.2019
Am 8. März macht Berlin frei für den Weltfrauentag. Viele bewegte Männer treibt das nicht auf die Straßen. Dafür gibt es Bewegung in Synagogen, Moscheen und Kirchen. Religion macht Mut. Erstaunlich genug

Schon im Zug nach Berlin geht es los. Kein Halt ohne diese junge, aufmunternde Männerstimme aus dem Off: »Wir wünschen allen Mitreisenden, die hier aussteigen, ein gutes Wochenende und allen Damen einen schönen Frauentag!« Frankfurt. Eisenach. Erfurt. Halle. Berlin. Immer aufs Neue diese Stimme. Am Hauptbahnhof ist Schluss mit der Wortroutine. Es geht hinein in einen 8. März, den Berlin erstmals seit der deutsch-deutschen Vereinigung vor fast dreißig Jahren als offiziellen Feiertag begeht.

In dieser Stadt standen zu Beginn des 20. Jahrhunderts Frauen für ihr Wahlrecht auf, für bessere Lebensverhältnisse, für eine Welt, in der sie nicht mehr Anhängsel von Männern sein wollten. Vieles ist erreicht seitdem. Warum braucht es dann diesen Frauenfeiertag? Einfach, weil man sich auf keinen anderen einigen konnte? Weil Berlin als säkulare Stadt mit Ost-West-Geschichte lieber keinen religiösen Tag wählen wollte, aber trotzdem seinen Mangel an Feiertagen im Vergleich mit anderen Bundesländern ausgleichen wollte?

Vielleicht ist dieser Frauentag in Berlin ja auch so etwas wie ein neuer religiöser Feiertag. Nur ganz anders. Ein Tag der Freiheit. Ein Tag der provozierenden Fragen. Und der Erinnerung an ein uneingelöstes Versprechen, das so alt ist wie die Religionen selbst: Alle Menschen sind gleich. Sogar Frauen.

»Wie kann ein Tyrann regieren?«

Um 14 Uhr beginnt das Freitagsgebet in der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Moabit. Der Weg zum Gebetsraum der liberalen Gemeinde führt entlang der Außenmauern der evangelischen St.-Johannis-Kirche, einem Schinkelschen Backsteinbau des 19. Jahrhunderts. Am hinteren Seiteneingang prangt ein schlichtes Schild mit dem Namen der Moschee. Es geht die Treppe hinauf, vorbei am Konfirmandenraum und der evangelischen Gemeindeküche. Der muslimische Gebetsraum liegt weit oben. Er ist weiß gehalten, mit ein paar blauen Farbnuancen, hat bleiverglaste hohe Fenster, die die Nachmittagssonne mystisch brechen. Heute ist er voller Menschen, viele Frauen sind da, ein paar Männer. Die Gemeinde ist offen für alle, die mitbeten oder einfach nur da sein wollen. Imamin Seyran Ates und ihr Kollege, Imam Mohamed El-Kateb, halten das Freitagsgebet. Eröffnet wird es durch den Gebetsruf einer Frau. Es ist ganz still im Raum, als ihre schöne Stimme erklingt. Imamin Ates hört zu, dann tritt sie nach vorn, legt Vers 1 der vierten Sure aus

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