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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2018
Hoffen über den Tod hinaus
Ein Streifzug durch die Religionen
Der Inhalt:

Wie ticktder Kreml?

von Inna Hartwich vom 23.03.2018
Nachgefragt: Fragen zur Wahl in Russland an Denis Wolkow vom unabhängigen Moskauer Meinungsforschungsinstitut »Lewada«

Publik-Forum: Herr Wolkow, Wladimir Putin ist mit 76,6 Prozent der Stimmen alt-neuer Präsident im Land. Was haben die Russen in den kommenden sechs Jahren zu erwarten?

Denis Wolkow: Keine Veränderung. Die Zustimmung und die Wahlbeteiligung kamen relativ erwartet. Sie sind auch glaubwürdig. Natürlich gab es eine unfassbare Stimulation der Wähler, an der Wahl teilzunehmen, natürlich wurden vor allem Staatsbedienstete mehr oder weniger dazu verpflichtet, zur Wahl zu gehen und den Vollzug zu melden. Und obwohl man ihnen kaum befohlen hat, für Putin zu stimmen, haben es die meisten wohl gemacht. Das Klima im Land war vor diesen Wahlen sehr günstig für das Regime. Anders als noch 2012, als es zu Massenprotesten gekommen war. Nun merkt man eine gewisse wirtschaftliche Erholung zum einen, zum anderen aber greift immer noch der Krim-Effekt, das Gefühl nationaler Größe. Daraus schöpft Putin auch vier Jahre nach dem sogenannten »Anschluss« seine Popularität.

Die Krim einte die Russen und katapultierte Putin zum Helden, der der Welt die Stirn bietet und sein Volk vor all dem vermeintlich Bösen in der Welt beschützt. Welchen Deal bietet Putin den Menschen nun an?

Wolkow: Der Kreml hat keine neue Idee. Er baut immer noch auf das Vertrauen, das er aus dem Krim-Effekt schöpft. Putin ist eine positive Figur. Im Fernsehen gibt es keine Kritik, sie ist nicht zugelassen. Der Anschein eines erfolgreichen Machers in einem mächtigen Land wird künstlich erzeugt und mit allen Mitteln beibehalten.

Dass ihre Führung nach außen Angst verbreitet, scheint vielen Russen wichtiger zu sein als ihr morsches Haus oder die zerberstenden Wasserrohre vor der Tür. Warum?

Wolkow: Natürlich begreift jeder Russe, dass das alltägliche Leben hier mühsam ist. So mühsam, dass es selbst dem Präsidenten schwer fällt, des Wustes an Problemen Herr zu werden. Viele entschuldigen den Präsidenten gar. Sie rechnen es keineswegs dem System an, dass es diese Probleme gibt. Die Probleme seien einfach da, das System kämpfe dagegen, der Präsident an vorderster Stelle. Aber auch er könne nicht alles lösen. Schon gar nicht, wenn er ständig mit Hindernissen – oft aus dem Westen – zu tun hat. So vermittelt es das gelenkte Fernsehen. Die Menschen glauben daran.

Am Wahlabend ha

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