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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2017
Angriff auf die freie Wahl
Wie Datenjäger die Demokratie gefährden
Der Inhalt:

Was am Ende wichtig wird

von Monika Renz vom 24.03.2017
Im Alter verändert sich der Glauben. Wissen Seelsorger, Ärzte und Begleiter genug über die spirituellen Bedürfnisse am Lebensende?

Eine vordergründige Sichtweise vom Lebensende zeigt Leiden, Schmerzen und Abhängigkeit. Reifung unter diesen Umständen grenzt an Zumutung. Und doch werden letzte Reifungsprozesse und Todesnähe jenen, die sich darauf einlassen, zum Türöffner. Menschen erfahren ein anderes Sein, weniger Angst, eine neue Begegnungsqualität. Sie machen tiefe spirituelle Erfahrungen.

Herr N., Mitte fünfzig, weiß nicht, ob er sich als Christ oder Buddhist verstehen soll. Er hat sich von allen verabschiedet und stirbt doch nicht. Zwei Wochen liegt er »seiend« da. Klänge des Monochords (ein Saiteninstrument) berühren ihn: Dieser Ton habe ihn erschüttert wie Meereswogen. Er habe Musik noch nie so sinnlich einfach gehört. »Es war Musik und doch mehr: Etwas war da.« »War Präsenz spürbar?«, frage ich vorsichtig. Über Tage sinnt er nach und versinkt in einen anderen Bewusstseinszustand. Nochmals berührt ihn die Musik: »Die Obertöne sind wie ein Himmelszelt, in welches ich hineinfalle oder -fliege. Ob fallen oder fliegen, spielt keine Rolle mehr, ob Christ oder Buddhist auch nicht. Nur eines ist wichtig: Präsenz!« Immer schweigsamer wird er, immer dichter ist die Atmosphäre, in die er still hineinstirbt, das Geheimnis um seine letzte Identität mitnehmend.

»Und was bringt die lange Zeit vor dem Sterben?«, fragte eine leidende Frau. Reifung ist – ähnlich der religiösen Haltung – Entscheidung. Sie hat damit zu tun, wie ein Mensch sich zu seinen inneren und äußeren Vorgaben und Widerfahrnissen verhält. Und genau daraus, dass man sich selbst zu schmerzlichen Vorgaben nochmals innerlich in Beziehung setzen kann und also nicht nur determiniert ist, wächst die Erfahrung von Würde.

Ein Mann im Rollstuhl fragte Tag um Tag: »Wozu?« Er erhielt vom Pfleger den Impuls, einfach zu atmen und so das schwierige Ja zuzulassen. Dann hatte der Mann einen Traum: »Ich stehe im Gegenüber des absoluten Lichtes. Es ist gut, wie es ist.« Und er wusste: »Ich bin mehr als der Krebs.«

Wenn Menschen wider Erwarten über Tage nicht sterben können, wenn Ärzte fragen, was hier im Weg stehe, erkenne ich oft drei Ursachen: Vergangenes, Gegenwärtiges, Zukünftiges. Vergangenes: Eine tiefe Verletzung oder schwierige Familienkonstellation kann das Loslassen erschweren. Oft hilft bewusste Zuwendung zum zugrunde liegenden Problem

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