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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2016
Der neue Mensch
Jens Reich über Fluch und Segen der Gen-Medizin
Der Inhalt:

Moby Dick im Blick

Allzu lange erschienen Comics als billige Unterhaltung. Doch das ändert sich gerade – auch durch den soeben erschienenen »Graphic Canon«. Er enthält Meilensteine der Literaturgeschichte, bildgewaltig nacherzählt als Graphic Novels

Comics sind salonfähig geworden, jetzt auch in Deutschland. Durch die neue Form der »Graphic Novel« erlebt das Genre eine ungewohnte Anerkennung als Kulturform. Graphic Novels sind Comicromane, die eine abgeschlossene, häufig komplexe und ausgreifende Geschichte erzählen und sich an erwachsene Leser richten. In Japan, den USA und Frankreich haben Comic, Manga und Graphic Novel eine lange und reiche Tradition. In Deutschland führte diese Kunst lange ein Nischendasein, galt als Subkultur oder billige Unterhaltung. Doch das ändert sich gerade.

Zu verdanken ist dies einem erwachsen gewordenen Publikum von Comic-Liebhabern, die schöne Editionen aus Verlagen wie Reprodukt oder Galiani schätzen und zu bezahlen bereit sind – wenn auch noch nicht in gleichem Maß wie die Leserschaft jenseits des Rheins.

Der »Graphic Canon«, herausgegeben vom Amerikaner Russ Kick und auf Deutsch bei Galiani Berlin verlegt, führt vor Augen, wie vielfältig diese Kunstform ist – und wie groß ihre Nähe zum klassischen Literaturkanon. Er enthält Kostproben einer grafischen Umsetzung der Weltliteratur. Diese Appetithäppchen sind mit ausführlichen Einführungstexten versehen, und der sorgfältig aufbereitete Anhang macht es leicht, bestimmte Zeichner oder Œuvres weiter zu verfolgen.

Ein erster Band umfasste die Anfänge der Literatur: das Gilgamesch-Epos, Homers Ilias und Odyssee, griechische Dramen, Konfuzius, viel Shakespeare. Auch die Bücher Esther und Daniel oder die Offenbarung des Johannes sind dort vertreten, und als deutscher Originalbeitrag auch das Nibelungenlied aus der Feder der Zeichnerin Kat Menschik. Auch für den soeben erschienenen zweiten Band