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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2016
Der neue Mensch
Jens Reich über Fluch und Segen der Gen-Medizin
Der Inhalt:

Die Würde zurückgeben

Ein Pilotprojekt in Darmstadt ermöglicht Flüchtlingen die aktive Mitarbeit

Verletztes Selbstwertgefühl kann nur geheilt werden, wenn ein Mensch seine Würde zurückbekommt. Dazu gehört auch das Gefühl, gebraucht zu werden. Davon ist Marianne Leuzinger-Bohleber, Direktorin des Frankfurter Sigmund-Freud-Instituts, überzeugt. Sie leitet in einer Erstaufnahmeeinrichtung in Darmstadt ein Pilotprojekt für Flüchtlinge. Hilfe wird hier kombiniert mit der Möglichkeit, etwas für die Gemeinschaft zu tun. »Wir finden heraus, welche Fähigkeiten die Geflüchteten mitbringen«, erklärt die Leiterin des Projekts Step-by-step. So hilft ein Lehrer aus Afghanistan in der Jugendgruppe, Mütter betreuen im Kindergarten der Einrichtung zusammen mit deutschen Sozialarbeitern die Kleinen, ein syrischer Pianist setzt sich für eine Musikgruppe ein, Jugendliche streichen die Wände des Jugendtreffs.

Das Nichtstun, zu dem Geflüchtete bei ihrer Ankunft in Deutschland oft gezwungen werden, sei besonders für Traumatisierte schlimm. »Die Passivität erinnert sie an die Traumatisierung.« Im Krieg oder bei Vergewaltigungen breche das Urvertrauen in ein aktives Selbst zusammen. »Daher sollten Traumatisierte jede Situation vermeiden, die sie wieder der Hilflosigkeit und der Ohnmacht aussetzt«, erklärt die Psychoanalytikerin Leuzinger-Bohleber. Sichere Alltagsstrukturen und ein geregelter Tagesablauf helfen, wieder im Leben anzukommen.

Deshalb bekommt jeder Neuankömmling in Darmstadt eine Art Stundenplan. Deutschunterricht steht genauso darauf wie Tanzkurse, Singen oder Tischtennis. Wer daran teilnehmen möchte, sollte sich auch einbringen: Zwei Stunden Eigenaktivität im Tausch für ein Angebot, das ist die Idee dahinter. Das funktioniert sehr gut. »Es ist