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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2016
Der neue Mensch
Jens Reich über Fluch und Segen der Gen-Medizin
Der Inhalt:

Der Lichtausknipser

von Thomas Seiterich vom 25.03.2016
Dompropst Norbert Feldhoff verdunkelte den Kölner Dom, als Pegida demonstrierte. Jetzt spricht er über die Reaktionen

Es war klar: Die Kölner Pegida zielte auf einen maximalen Effekt. Sowohl vom Timing wie auch von der Demonstrationsroute«, erinnert sich Norbert Feldhoff: »Die selbsternannten Abendlandverteidiger wollten sich möglichst effektvoll in Szene setzen. Dazu benötigten sie den Glanz des hell erleuchteten Doms.«

Feldhoff, ganz gewiss kein linker Kirchenmann, hat als Hausherr der Kathedrale den Rechten ihre Show zerstört. Denn er ließ die Scheinwerfer und Lichter am Kölner Dom löschen. Am 5. Januar 2015, in der Nacht vor Dreikönig, das seit jeher als Kirchweihfest groß im Kölner Dom gefeiert wird, versank das Herz der Stadtsilhouette sekundenschnell in schwarzer Nacht. Pech für Pegida. Die Rechten hatten sich auf der östlichen Rheinseite in Deutz versammelt. Ihr Zug sollte über die Deutzer Brücke zum Dom ziehen. Auf dem Roncalli-Platz vor der Kulisse einer der größten gotischen Kathedralen Europas wollten sie eine Kundgebung abhalten. »Die Verdunkelung war wie ein Paukenschlag«, erinnerte sich Feldhoff. Anschließend verzichteten die Rechten auf ihren Demonstrationszug.

Der Lichtausknipser ist 76 Jahre alt, kein locker-liberaler Jugendseelsorger. Er war knapp drei Jahrzehnte lang Generalvikar des Erzbistums Köln und damit einer der mächtigsten katholischen Kleriker in der Bundesrepublik. Zugleich ist Feldhoff ein voll in seine Großstadt eingebundener Kirchenvertreter. Als um 18.32 Uhr am Dom das Licht erlischt, diskutiert Feldhoff auf Einladung der Kölnischen Rundschau in einem Theater mit Vertretern des 1. FC Köln und der Stadtgesellschaft. Dann eilt er zur Kölner EhrenGarde. Bei den Karnevalisten in Grün-Gelb hat er als Regimentspfarrer eine »schwierige, weil möglichst lustige« Rede zu halten. Dazwischen 15 Interviews über die Verdunkelung am Dom.

Verdunkelung erinnert im kollektiven Gedächtnis an Kriegszeiten, ein mächtiges Zeichen. »Dass wir ein Symbol gegen rechts, weit über Köln hinaus, gesetzt hatten, wurde mir erst klar, als ich die Bilder nachts im Computer sah«, sagt Feldhoff.

Noch in der Nacht beginnt die Flut der Reaktionen. »In den ersten Tagen zumeist Kritik von rechts«, sagt Feldhoff. »Ich gab deshalb weitere Interviews und sagte, dass die Reaktionen von rechts außen überwogen.« Darauf setzt eine Solidarisierungswelle ein.

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