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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2014
Das Genmais-Komplott
Wie Konzerne eine Technologie durchsetzen, die keiner will
Der Inhalt:

Wieder eine Hebamme weniger

von Rebekka Sommer vom 28.03.2014
Weil sie ihre Versicherung nicht mehr zahlen kann, begleitet Elisabeth Gißler-Baumann keine Geburten mehr

Von August dieses Jahres an wird es am Kreiskrankenhaus von Emmendingen im Südschwarzwald eine Beleghebamme weniger geben. Wenn ihre Haftpflichtversicherung im Sommer ausläuft, wird Elisabeth Gißler-Baumann sie nicht verlängern – und darf dann keine Geburten mehr begleiten. Keine Hausgeburten mehr, die ohnehin seltener sind, aber auch keine Beleggeburten mehr als Freiberuflerin im Krankenhaus. So wie sie hat in den Jahren 2008 bis 2010 rund jede vierte freiberufliche Geburtshebamme in Deutschland ihr ureigenes Geschäft aufgegeben, mit anhaltender Tendenz. Und das, obwohl viele kleinere Kliniken das Engagement der freiberuflichen Beleghebammen brauchen: Freiberufliche Hebammen betreuen laut Deutschem Hebammenverband jede fünfte Geburt in Deutschland – vor allem in den Krankenhäusern.

Hohe Arbeitsbelastung, mangelnde Rentabilität durch teure Haftpflichtprämien – die wichtigsten Gründe für die Resignation der Hebammen sind bekannt. Doch im Februar schockierte die Hiobsbotschaft der Nürnberger Versicherung, die den Ausstieg aus dem Versicherungskonsortium der Hebammenverbände ankündigte. Der Zusammenschluss mit der Bayerischen Beamtenkasse und der R+V Versicherung war 2013 der einzige von 151 europäischen Versicherern, der sich auf Anfrage des Hebammenverbandes bereit erklärte, Geburtshelferinnen ausreichend Schutz zu gewähren. Grund sind die hohen Schadensforderungen, wenn Hebammen Fehler unterlaufen und ein Kind dadurch Schaden erleidet. Die Versicherungen haften für die Pflegekosten, Therapien und das Erwerbseinkommen, das Patienten entgeht. Ging man vor zehn Jahren von zweieinhalb Millionen je Schadensfall aus, sind es heute gut und gerne sechs Millionen Euro. Dabei ist die Zahl der Schadensfälle laut Hebammenverband seit Jahren konstant – bei etwa hundert jährlich.

Elisabeth Gißler-Baumann hofft, dass sie irgendwann wieder Geburten begleiten kann. Wie der Deutsche Hebammenverband wartet sie gespannt auf die Ergebnisse einer Arbeitsgruppe der Hebammenverbände, Krankenversicherer und der Versicherungswirtschaft unter Federführung des Gesundheitsministeriums. In wenigen Wochen sollen sie vorliegen. Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) macht Hoffnung: Die dauerhafte Sicherstellung einer ortsnahen Geburtshilfe sei ihm »ein ganz persönliches Herzensanliegen«. Er sei zuversichtlich

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