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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2014
Das Genmais-Komplott
Wie Konzerne eine Technologie durchsetzen, die keiner will
Der Inhalt:

Vom Lernort zum Lebensort

von Sabine Henning vom 28.03.2014
Immer mehr Schüler besuchen eine Ganztagsschule. Hamburg stellt fast komplett seine Grundschulen um. Doch tut das den Kindern wirklich gut?

Wenn die Frühjahrssonne vom Himmel lacht, geht Sava Stomporowski mit ihren beiden Töchtern am Nachmittag hinaus ins Freie. Es ist ihr wichtig, dass sie und ihre Töchter auch in der Woche Zeit miteinander verbringen. Die Erziehungswissenschaftlerin aus Hamburg schreibt an ihrer Doktorarbeit. Und ist deshalb froh, dass ihre zehn Jahre alte Tochter Hanna eine Ganztagsschule in Hamburg besucht und dort an drei Nachmittagen bis 16 Uhr betreut wird. Das verschafft ihr Zeit für ihre wissenschaftliche Arbeit. »Ganztagsschule ist prima. Aber das Familienleben darf auch nicht zu kurz kommen«, sagt die 46-Jährige.

Wie sie denken viele Eltern. Da die meisten Mütter berufstätig sind, ist der Bedarf an Nachmittagsbetreuung für Schulkinder groß. Es sind pragmatische Gründe, nicht das politische Programm der Chancengleichheit, das heute Eltern nach der Ganztagsschule rufen lässt. Die Stadt Hamburg hat darauf reagiert. Seit Beginn des laufenden Schuljahrs sind alle Grundschulen bis auf zwei in der Stadt auf Ganztagsbetrieb umgestellt. 75 organisieren ihren Nachmittagsbetrieb in Eigenregie, 125 kooperieren mit anderen Anbietern, beispielsweise mit Sport- und anderen Vereinen sowie Kita-Trägern, die das Programm am Nachmittag abdecken.

Die Ranzen lagern vor der Tür

Letzteres Modell nennt sich »Ganztägige Bildung und Betreuung«. Die Teilnahme daran ist freiwillig. Doch wer sich dafür entscheidet, muss sein Kind an mindestens drei Tagen bis 16 Uhr in der Schule lassen. So ist es auch an Hannas Schule. Dort führt der Träger, der vorher den Hort betrieben hatte, die Nachmittagsbetreuung weiter. Der Vorteil: Die Eltern müssen nicht mehr dafür bezahlen. Die Kinder kannten ihre Erzieherinnen, die kuscheligen Räume mit den Ecken zum Spielen. Alle hatten alles getan, um die Umstellung möglichst reibungslos zu gestalten.

Doch schon nach den ersten Monaten war nur noch wenig wie zuvor. Gingen zuvor 25 Prozent der Hamburger Kinder in den Hort, nahmen jetzt 70 Prozent die Nachmittagsbetreuung in Anspruch. Auch auf Hannas Schule war der Ansturm groß. Nicht alle Kinder passten in den Hort-Trakt. Er ist jetzt den Vorschülern und Erstklässlern vorbehalten. Hannas Klasse muss die Hausaufgaben im Klassenraum machen. Um den Raum flexibler zu gestalten, wurden Rolltische angeschafft. Die Ranzen lagern vor der Tür, weil sonst nicht genug Platz ist.

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