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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2014
Das Genmais-Komplott
Wie Konzerne eine Technologie durchsetzen, die keiner will
Der Inhalt:

»Es ist ein großes Fest«

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 28.03.2014
Warum Peter Dietzel mit Frauen in Bangladesch die Freude über deren Rinder teilt – und vor Ort viel verändert

Eines Morgens wachst du auf und weißt: Das ist es. So ging es mir mit Bangladesch. Dort habe ich als junger Mann eineinhalb Jahre gelebt. Und wusste plötzlich: Hier ist meine Aufgabe. Das war keine rein rationale Entscheidung, die auf irgendwelchen Kriterien beruhte. Genauso wenig, wie ich mir meine Frau nach einem Kriterienkatalog ausgesucht habe. Ich wusste einfach: Das ist jetzt richtig so.

Eigentlich bin ich Schreiner. Aber vor 25 Jahren habe ich zusammen mit sechs Freunden einen Verein gegründet, der sich für bessere Lebensbedingungen in Bangladesch einsetzt: Netz. Weniger Armut und mehr Gerechtigkeit, das ist unser Ziel. Das fördern wir durch Selbsthilfeprojekte in den Bereichen Bildung, Ernährung und Menschenrechte. Heute ist Netz ein Hilfswerk, das fünfzehn Mitarbeiter in Deutschland hat – und doppelt so viele in Bangladesch. Die Ärmsten der Armen bekommen von uns ein Startkapital. Das kann den Familien helfen, ein Leben lang genug Reis zu haben.

Es war am Ende meiner Schulzeit, als ich entschied, dass ich mein Leben auf der Seite der Ärmsten verbringen möchte. Meine Mutter starb, als ich fünf Jahre alt war. In den Jahren danach habe ich erfahren, wie es ist, weinend auf dem Boden zu liegen, mit Füßen getreten zu werden. Und wieder aufzustehen. Ich fühle mit, wie es Menschen in Bangladesch ergeht. Dort treffe ich Männer, Frauen und Kinder, die das jeden Tag erleben: unten liegen – und wieder aufstehen. Ich habe mit Menschen gelebt, die am Tag fünfzig Cent zum Überleben haben. Fünfzig Cent! Das ist ein Leben in ständiger Existenzangst. Es gibt nicht genug zu essen, die Dächer der Hütten sind undicht und die Menschen schlafen in ihren nassen Kleidern auf dem Boden. Die Babys schreien die halbe Nacht hindurch, weil die Muttermilch zu dünn ist. Hier geht es nicht mehr um Armut – das ist Elend. Aber es ist wunderbar zu beobachten, wie die Menschen sich mit ein bisschen Unterstützung daraus befreien. Es ist ein Fest, wenn ich in ein Dorf komme und eine Frau mir die eigenen Kühe oder die ersten zwei Eier ihrer Hühner zeigt! Die Frauen bekommen ein neues Selbstbewusstsein und fangen an, auf lokaler Ebene politisch Einfluss zu nehmen. Das setzt eine ganze Spirale positiver Veränderungen in Gang. Es haut uns selbst um, wie wirksam unsere Arbeit ist: 85 Prozent der Frauen schaffen es mit ein wenig Startkapital und einer Schulung, der Hungerspirale binnen d

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