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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2013
Unser Papst?
Der Inhalt:

Der Widerspenstige

von Bettina Röder vom 22.03.2013
Lothar König, evangelischer Jugendpfarrer von Jena, engagiert sich gegen rechts. Jetzt soll ihm der Prozess gemacht werden

»Ich hab kalte Füße.« Eigentlich sagt er solche Sätze so gut wie nie, sondern erklärt stattdessen, ein wenig kauzig, warum er auch bei Schnee keine Strümpfe trägt. »Die werden doch nur nass, man muss sie dann auswringen, das ist doppelt ärgerlich«, sagt Lothar König. Demonstranten um ihn herum hüpfen an diesem nasskalten 13. Februar in Dresden von einem Bein auf das andere, suchen einen warmen Raum, um die Strümpfe zu wechseln. Einen Moment ist man in Versuchung, der Erklärung des Jenaer Stadtjugendpfarrers mit dem Rauschebart und den schelmisch funkelnden Augen zu glauben. Doch das mit den kalten Füßen hat er diesmal ernster als sonst gemeint – im übertragenen Sinn.

Denn nun soll sich der 59-Jährige vor dem Dresdner Landgericht verantworten. Wegen seiner Proteste gegen die Nazis im Februar 2011 wird ihm der Prozess gemacht, der vorerst verschoben wurde. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem vor, sich des aufrührerischen Landfriedensbruchs schuldig gemacht zu haben. »Psychisch und physisch ist das natürlich belastend«, sagt König. Zumal sein Mitstreiter, Tim Raue, ein ebenfalls nicht vorbestrafter Familienvater, im Januar mit den gleichen Anklagepunkten zu 22 Monaten ohne Bewährung verurteilt wurde. Ohne haltbare Beweise. »Ich will nicht der große Sieger sein, nur keine Kriminalisierung der Anti-Nazi-Proteste«, sagt König. Ein wenig trotzig zieht er an der selbst gedrehten Zigarette.

»Eine rebellische Seele«, nennen die einen den Pfarrer. Andere werfen ihm vor, durch seinen erbitterten Widerstand gegen die Nazis diese erst großzumachen und zu provozieren. An diesem 13. Februar, einem kalten Winterabend, steht der Thüringer mit dem Lautsprecherwagen der Jungen Gemeinde unweit des Landgerichts in der Günzstraße. Vor ihm der Stadtplan von Dresden. Mit den Fingern verfolgt er auf der Karte, wo die Nazis gerade sind, informiert die jungen Menschen, die in der Kälte ausharren, um sich den Rechten entgegenzustellen. Umgeben von einem martialischen Aufgebot der Polizei. Neben König sitzt seine erwachsene Tochter Katharina im Wagen. Wie so oft an der Seite des Vaters, wenn es brenzlig wird. Doch an diesem Abend kommen die Nazis nicht bis hierher. Demonstranten haben verhindert, dass sie in der Stadt aufmarschieren. »Halt die Ohren steif«, wünschen viele Lothar König zum Abschied.

Es ist nicht das erste Mal, dass ihm das gewünsc

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