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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2012
Gesellige Einzelgänger
Pilgern: Sich selbst auf der Spur – und vielleicht auch Gott
Der Inhalt:

Können Katholiken Revolution?

von Britta Baas vom 04.05.2012
400 österreichische Priester proben den Aufstand. Helmut Schüller führt sie an. Sein Credo: »Es gibt keine Hoffnung auf Kirchenreform. Jetzt zählt der Ungehorsam«

Diese Kirche ist ein Fall für die Krankenstation. Körperlich ist sie geschwächt, seelisch angeschlagen. Und als würde das nicht schon reichen, mangelt es ihr auch noch an Einsicht in die Ursache ihres Problems. Was soll man mit so einer Patientin nur machen?

Wer sich die römisch-katholische Kirche als Bettlägrige vorstellt, kann sich gut in ihre Not einfühlen. In Westeuropa laufen ihr die Gläubigen davon. Allein in Deutschland erklärten seit der Aufdeckung der Missbrauchsskandale Hunderttausende ihren Austritt. »Die Kirche will, sie muss sich neu erfinden. Aber wie?«, fragte vor Kurzem Daniel Deckers in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Auf die Frage aller Fragen geben in Österreich mittlerweile Hunderte von Priestern eine klare Antwort: »Es gibt keine Hoffnung mehr auf Reformen; es gibt nur den Aufstand. Denn die Kaste sitzt auf ihren Privilegien, die sie nicht aufgeben will.«

So unmissverständlich formuliert es der Anführer der österreichischen Pfarrer-Initiative, Helmut Schüller. Mit der »Kaste« meint er die Bischöfe und Kardinäle, die Generalvikare und Dompröpste, kurz all jene, die »oben« sitzen und sich für »unten« immer weniger zu interessieren scheinen. »Wir haben die Vermutung, wenn nicht sogar die Gewissheit, dass die Bischöfe die Pfarren aufgegeben haben«, sagt Schüller unumwunden. Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn habe es ja eindeutig formuliert: Die schwindenden Priesterzahlen seien eigentlich kein großes Problem, denn er brauche »nur mehr die Hälfte der Priester, weil auch nur mehr die Hälfte der Leute zu den Gottesdiensten kommt«. Damit, findet Schüller, verdränge der Kardinal, dass das Leben der Kirche nicht nur aus Eucharistiefeiern bestehe. Zum anderen frage er sich offenbar nicht, warum die Leute wegblieben und wie man das ändern könne.

Wie wird ein katholischer Österreicher, ein katholischer Deutscher künftig leben? Radikale Veränderungen müssen bewältigt werden. Die Kirchenleitung hat sich nämlich überall ziemlich ähnlich entschieden, wie sie mit der schwindenden Zahl ihrer Schäfchen umgehen will: Die »Gemeinde XXL« ist zur Lösung deklariert worden. Immer mehr Pfarreien werden zusammengelegt. Weite Strecken sind zurückzulegen, wenn am Wochenende das Bedürfnis nach einem Kirchengang aufkommen sollte, nach einem Priester am Altar. Erlaubte Alternativen zur Messe wird es nicht geben. Wo kein Priester ist, ist

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