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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2012
Gesellige Einzelgänger
Pilgern: Sich selbst auf der Spur – und vielleicht auch Gott
Der Inhalt:

»Freiheit, die wir meinen«

von Hans-Jürgen Röder vom 04.05.2012
Erklärung von Vertretern der Friedensarbeit zu Joachim Gauck

Begleitet von kritischen Anfragen an sein politisches Selbstverständnis ist der frühere Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Joachim Gauck, am 18. März in Berlin zum Nachfolger des zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff gewählt worden. In den Wochen vor seiner Wahl war vor allem der Freiheitsbegriff des heute 72-Jährigen kritisiert worden. So hatten führende Vertreter der kirchlichen Friedensarbeit in der ehemaligen DDR in einer am 8. März veröffentlichten Erklärung beklagt, Gaucks Freiheitsdenken sei vom Begriff individueller »Selbstermächtigung« bestimmt. Gauck war zu DDR-Zeiten evangelischer Pastor in der mecklenburgischen Kirche.

Mit seinem Verständnis beflügele Gauck die Erwartungen derjenigen, die durch die Beschwörung des Antikommunismus die Freiheit verteidigen wollten. Die dringend erforderliche Kompetenz des Bundespräsidenten komme aber nicht aus der Beschwörung der Vergangenheit, sondern aus der Fähigkeit, drängende Fragen der Zukunft zu thematisieren, heißt es in der Erklärung. Unterzeichnet ist sie von den Theologen Heino Falcke (Erfurt), Almuth Berger, Ruth Misselwitz, Wolfram Hülsemann und Christof Ziemer (Berlin), Joachim Garstecki (Magdeburg), Heiko Lietz (Schwerin), Edelbert Richter (Weimar), Friedrich Schorlemmer (Wittenberg) und Jochen Tschiche (Satuelle) sowie dem Physiker Sebastian Pflugbeil (Berlin).

In ihrem Text, der den Titel »Freiheit, die wir meinen« trägt, verweisen sie darauf, dass es ihnen um die aktive gesellschaftliche Öffnung und um die Freiheit aller gehe. Anpassung sei für sie in der DDR keine Option gewesen. Darum hätten sie Bevormundungen widersprochen sowie Freiräume mit anderen und für andere geschaffen und gesellschaftliche Veränderungen eingefordert. Das habe sie ermutigt, kritische Bürger im vereinten, demokratischen Deutschland zu bleiben.

Wenn hingegen Kritik an Gauck und seinem Wirken regelmäßig mit dem Hinweis auf seine Diktaturerfahrung abgewehrt werde, entlasse man ihn aus der Verantwortung, die er trägt. Auch teilten sie die Diktaturerfahrung mit ihm, betonen die Autoren. Anders als Gauck habe sie jedoch nicht vor allem der Mangel an Freiheit geprägt, sondern der Kampf um ihre Durchsetzung in der DDR. »Unser Freiheitsbegriff ist mehr als eine persönliche Selbstbehauptung, die am Ende nur zu einer Freiheit für Privilegierte führt.« Mit ihren Freiheitstexten von Frieden, Gerechtigkeit und

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