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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2012
Gesellige Einzelgänger
Pilgern: Sich selbst auf der Spur – und vielleicht auch Gott
Der Inhalt:

Der Deal der alten Männer

von Knut Henkel vom 04.05.2012
Kuba vor dem Papstbesuch: Die Rolle der katholischen Kirche hat sich gewandelt. Inzwischen wird sie von der Regierung geschätzt

Auf dem »Platz der Revolution« wird Papst Benedikt XVI. am 28. März seine Rede an die kubanischen Gläubigen halten. Die haben noch die Worte seines Vorgängers Johannes Paul II. im Kopf: »Kuba wird sich der Welt öffnen, und die Welt wird sich Kuba öffnen.«

Vierzehn Jahre sind seit diesen Worten vergangen, und Kuba hat sich in der Tat merklich verändert. »Die katholische Kirche hat eine neue Rolle«, urteilt die politische Dissidentin Miriam Leyva. Sie ist gläubige Katholikin und eine der Gründerinnen der Damen in Weiß. Diese Initiative wurde 2003 quasi vor den Türen der kubanischen Staatssicherheit gegründet – »um unsere Männer freizubekommen«, wie Leyva sagt. Ihr Mann, der Ökonom Oscar Espinosa Chepe, gehörte damals zu den Verhafteten. Er wurde wie 74 andere wegen Staatszersetzung zu einer hohen Haftstrafe verurteilt.

Seitdem treffen sich an jedem Sonntag ganz in Weiß gekleidete Frauen in der Kirche Santa Rita in Havannas Stadtteil Miramar. Padre José Félix Pérez hat mehrfach die Hand über die Frauen gehalten und dagegen protestiert, dass die Ausweise der Damen in Weiß von der Polizei kontrolliert wurden. Kardinal Jaime Ortega y Alamino hat die Regierung von Raúl Castro immer wieder aufgefordert, Attacken und Beschimpfungen durch regierungstreue Trupps zu unterbinden. Kubas katholische Kirche ist seit Jahren die wichtigste Vermittlungsinstanz zwischen Regierung und Opposition. Jahrelang agierte die Kirche meist im Verborgenen. Aber seit dem Besuch von Johannes Paul II. 1998 ist das Verhältnis zwischen Kirche und Staat immer besser geworden. Nicht zuletzt auch deshalb, weil sich der Jesuitenschüler Fidel Castro sehr gut mit dem polnischen Papst verstand.

Der »Maximo Lider« hatte den Papst 1996 anlässlich des UN-Welternährungsgipfels in Rom um eine Audienz gebeten. Die wurde ihm prompt gewährt, und so verbrachten die beiden alten Männer mehrere Stunden miteinander. Dieses Treffen war die Grundlage für den ersten Papstbesuch in Kuba. Der machte weltweit Schlagzeilen – unter anderem deshalb, weil sich Johannes Paul II. gegen das Handelsembargo der USA aussprach.

Ein Erfolg für Fidel Castro, der im Laufe der 1990er-Jahre seinen Frieden mit der Religion und auch mit der katholischen Kirche machte. Die war den Revolutionären aus den Bergen der Sierra Maestra anfangs nicht gerade mit Beifall

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