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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2020
Menschen statt Grenzen
Wie eine Feministische Außenpolitik die Welt verändern könnte
Der Inhalt:

Brechen die Spenden ein?

von Markus Dobstadt vom 13.03.2020
Nachgefragt: Fragen an Max Mälzer, Geschäftsführer des Deutschen Spendenrats zur Studie »Bilanz des Helfens 2020«

Publik-Forum: Herr Mälzer, 2019 haben 19,5 Millionen Menschen an gemeinnützige Organisationen gespendet, so wenige wie noch nie, seit Sie die Zahlen erheben. Warum wollen immer weniger Not lindern?

Max Mälzer: Es gibt einen Mentalitätswandel beim Spenden. Viele Menschen sehen die Hilfe für Bedürftige als eine Aufgabe des Staates an und nicht als ihre eigene, wie wir durch eine Umfrage wissen. Wir leben in Deutschland zum Glück in Frieden. Not und Elend kennen die meisten nicht aus eigener Erfahrung. Viele spenden auch anders, sie kaufen vielleicht teurere Fairtrade- oder Bioprodukte. Die Möglichkeiten, heute Gutes zu tun, sind sehr vielfältig.

Nur bei der Generation der über Siebzigjährigen ist das noch anders?

Mälzer: Die Bereitschaft, Geld zu geben, ist in dieser Generation am größten. Sie hat die Kriegs- und Nachkriegszeit erlebt. Außerdem ist in ihr die Kirchenbindung größer. In der Kirche haben sie gelernt, dass Spenden dazugehört. Diese Erfahrung machen die Jüngeren nicht mehr, weil viele keiner Kirche mehr angehören. Die über Sechzigjährigen stellen die Hälfte der Spender und die über Siebzigjährigen geben dabei sogar rund 41 Prozent aller Spenden.

Der Rückgang ist ein jahrelanger Trend. Drohen bald die Spenden auszugehen?

Mälzer: Was das Jahr 2019 betrifft, können wir noch beruhigt sein, die Spenden gingen von 5,3 Milliarden Euro auf 5,1 Milliarden zurück. Das ist nicht dramatisch und immer noch ein sehr hohes Niveau. Aber das kann sich schnell ändern.

Wenn die älteren Spender sterben?

Mälzer: Das ist eine große Gefahr für die Zukunft. Denn ob die nachfolgenden Generationen die Lücke füllen werden, ist sehr ungewiss. Manche in der Branche meinen, dass auch diese Menschen, wenn sie einmal alt sein werden, ihr Vermögen verteilen. Ich bin eher pessimistisch, weil das Spendenverhalten eingeübt werden muss, das geschieht nicht von selbst. Zumindest mittelfristig könnte es daher zu einem erheblichen Einbruch bei den Spenden kommen. Das Problem treibt derzeit alle Organisationen um.

Was sind Gegenstrategien?

Mälzer: Man versucht, sich aufs Spendensammeln übers Internet und soziale Medien zu konzent

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