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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2019
Und die Demokratie lebt doch!
Schülerstreiks, Bienen-Volksbegehren, Frauenrechte
Der Inhalt:

Der Letzte Brief (Vorsicht Satire!): Sehr geehrte Frau Wohlfahrt,

leider haben wir am vergangenen Dienstag bei unserem täglichen Kontrollgang an Ihrem Arbeitsplatz ein neues Katzenbild entdeckt.

Wie wir in betrieblichen Mitteilungen seit einem Jahr regelmäßig informieren, sind alle persönlichen Gegenstände an unseren Büroarbeitsplätzen untersagt. Um dies zu erreichen, gibt es deshalb einen täglichen Wechsel der Mitarbeiter. Ziel ist, dass sich kein Mitarbeiter an seinem Arbeitsplatz einnistet oder sich gar wohlfühlt, sondern nur noch diszipliniert arbeitet.

Diese Maßnahme ist das wichtigste Ergebnis einer Studie unserer Unternehmensberatung McCawley. Diese Studie sagt eine Steigerung der Produktivität unserer Mitarbeiter um 213,6 Prozent voraus, wenn an den Arbeitsplätzen endlich konzentriert gearbeitet wird. Die Konzentration auf unsere betrieblichen Ziele setzt jedoch voraus, dass alle Mitarbeiter sich ausschließlich mit unseren Konzernzielen verbunden fühlen und sich nicht mehr durch private Interessen ablenken lassen.

Bei einer Bestandsaufnahme vor Beginn unserer Aktion haben wir jedoch jede Menge persönlicher Gegenstände gefunden und beschlagnahmt. Bei männlichen Mitarbeitern fanden wir vor allem Familienfotos, kleine Modelleisenbahnen und sogar Golfschläger in den Schubladen. Bei den weiblichen Mitarbeiterinnen waren es Fotos von Tieren jeder Art. Nicht selten war sogar ein Stofftier hinter dem Laptop versteckt.

Unsere Unternehmensberater haben festgestellt, dass diese persönlichen Gegenstände die Produktivität der Mitarbeiter entscheidend verringern, weil sie Gefühle auslösen, die nicht unserem Unternehmen gelten. Mit Überwachungskameras konnten wir nachweisen, dass der Augapfel mancher Mitarbeiter bei Skype-Konferenzen immer wieder zu ihren Familienfotos wanderte. Ein Mitarbeiter hantierte während der gerade mal sechsstündigen Besprechung sogar an seiner Eisenbahn herum. Zudem werden persönliche Gegenstände bei der täglichen Rotation vergessen, sodass ein Hundeliebhaber plötzlich mit Ihren Katzenbildern konfrontiert wurde.

Wir fordern Sie deshalb auf, keine Katzenbilder mehr an Ihren jeweiligen Arbeitsplatz mitzubringen – und unsere Unternehmenskultur nicht weiter durch Ihre privaten Interessen zu sabotieren. Bitte verstehen Sie dieses Schreiben als letzte Mahnung.

Hochachtungsvoll

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