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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2017
Weisheit aus der Wüste
Das spirituelle Erbe der frühen Christen
Der Inhalt:

Was würdest du tun?

von Michael Schrom vom 10.03.2017
Martin Scorseses Film »Silence« über die Jesuitenmission in Japan ist ein existenzielles Drama über Natur, Kultur und Glaube

Irgendwann in diesen 160 bildgesättigten Minuten, in denen sich eindrückliche Naturaufnahmen, unerträgliche Folterszenen und philosophische Diskurse übereinanderlegen, stellt sich die Frage: Und wie denkst du darüber? An dieser Stelle hat der Zuschauer die Wahl. Entweder er betrachtet Scorseses filmische Adaption des Romans »Schweigen« von Shusaku Endo über den gescheiterten Versuch der Jesuiten, im 17. Jahrhundert den christlichen Glauben in Japan zu verkünden, als bloßes Historienspektakel. Dann wird es ihm wie dem Rezensenten der Zeit gehen, der meint, dass der Film »etwas langweilig« sei. Oder er identifiziert sich mit den gebrochenen Helden und verirrt sich im Labyrinth der Fragen, die Scorsese aufwirft: Was ist kulturelle Prägung und religiöse Identität? Werden sie eher durch Bekenntnis und Beispiel oder durch Sitte und Gewalt geformt? Schließlich: Was kann religiöse Rede bezeugen angesichts eines Gottes, der schweigt? Dann kann es sein, dass man das Kino als ein anderer verlässt: bewegt und mit viel Gesprächsbedarf.

Der Plot ist schnell erzählt: Die portugiesischen Missionare Sebastiao Rodrigues (Andrew Garfield) und Francisco Garpe (Adam Driver) brechen nach Japan auf, um den zu suchen, dem sie ihren Weg als Priester verdanken: Ihren ehemaligen Mitbruder Christovao Ferreira (Liam Neeson). Von ihm heißt es, er habe dem Christentum öffentlich abgeschworen. Das können und wollen die beiden nicht glauben. Der zwielichtige Kichijiro (Yosuke Kubozuka), eine Art Judasfigur, bringt sie an die japanische Küste und in Kontakt mit Untergrundchristen, die trotz brutaler Verfolgung ihren Glauben zu leben versuchen. Die Ankunft der Geistlichen wird begrüßt, bringt aber die Dorfgemeinschaft in Gefahr. Die Situation spitzt sich zu, als die beiden in Gefangenschaft geraten. Francisco stirbt bei einer Massenhinrichtung, als er versucht, einem Opfer beizustehen. Rodrigues wird in ein Gefängnis nach Nagasaki gebracht. Weil die Machthaber wissen, dass seine Hinrichtung die verbliebenen Christen nur bestärken würde, legen sie es darauf an, dass er öffentlich abschwört. So entspinnt sich im zweiten Teil des Filmes ein Drama zwischen ihm und dem Großinquisitor Inoei (Issei Ogata). »Warum habt ihr uns überhaupt das Christentum gebracht? Geht es euch letztlich nicht nur um wirtschaftliche und politische Interessen? Warum respektiert ihr unsere Kultur nicht?«, will Inoei wissen.

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